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Die Tops & Flops der Woche vom 6.-12. September 1996


Fotos: Dario de Mallorca;
Jose Sevilla/Ultima Hora 
NIBELUNGENLIED

Warum tötet ein Vater seine Kinder? Kein zweites Thema beschäftigte die mallorquinische Öffentlichkeit in der vergangenen Woche so wie der zweifache Mord des Offenburger Röntgenarztes Rüdeger Oyntzen an seinen Kindern Katharina (8) und Matthias (6). Erst zwei Wochen Ferien im Club Royal Mediterráneo in Sa Coma (Foto o.), dann, die Giftspritze in der letzten Urlaubsnacht, eine einsame Flucht in die Berge am Cap Formentor und die Festnahme, die möglicherweise einem Selbstmord gerade noch zuvorkam.
Die mallorquinischen Medien berichten irritiert von dem düsteren, 40 Seiten langen Abschiedsbrief, den Oyntzen im Hotel hinterlassen hat, von der Gefaßtheit und Ruhe, aber auch von fehlender Reue, die der Arzt bei seiner Verhaftung (Foto u.) zeigte. Und von dem ergebnislosen Versuch, den die Mutter der Kinder, Oyntzens vor einem Jahr geschiedene Ehefrau Helga Reichel, vor einem deutschen Gericht unternahm, die gemeinsame Reise mit dem Vater juristisch zu verhindern. Fast gewinnt man den Eindruck, das gesteigerte Interesse der Lokalpresse an dieser Familientragödie basiere auch auf den Kratzern, die das Image der - ökonomisch - ach so gesunden deutschen Gäste dank dieses Blicks in ihre - seelischen - Abgründe in dieser Woche bekommen hat.
Oyntzen ist derzeit wegen Depressionen und akuter Selbstmordgefahr in der psychiatrischen Klinik von Palma untergebracht. Die Anklage lautet auf zweifachen Mord. Das Strafmaß dafür liegt in Spanien bei mindestens 50 Jahren.



 

Foto: Humphrey Carter/Ultima Hora 
TENNISSCHLÄGER UND (SPORTS)KANONE

Er kam nur in Begleitung seines Tennisschlägers und seines Handgepäcks. Am vergangenen Samstag abend landete der hinlänglich bekannte Polospieler, Golfkriegs-Veteran und königliche Ex-Liebhaber James Hewitt auf dem Flughafen Son Sant Joan. Während einige Paparrazzi zum Saisonschluß noch einmal die große Story witterten und bereits vor dem Hotel Residencia in Stellung gingen (wo im Juni schon Lady Di ein recht turbulentes Wochenende verbrachte), zog es den "unbeliebtesten Mann Großbritanniens" (so das Ergebnis einer Umfrage der Londoner Boulevardzeitung The Sun) in eine Privatfinca bei Puerto Andratx. Doch das vermeintliche Turtel-Weekend mit der nunmehr freien Ex-Prinzessin entpuppte sich als wenig aufregender Sporturlaub mit bürgerlichen Freunden.
Und der Himmel über Mallorca? Der weint dazu - very british! - seit Tagen.



 

Foto:Diario de Mallorca 
KÖNIGSYACHT IM SCHLUSSVERKAUF

Nur Pleiten, Pech und Pannen - da wurde es selbst dem sonst so gelassenen spanischen König Juan Carlos zuviel: Seine Motoryacht Fortuna (s. Foto) steht zum Verkauf. Nachdem sich das in die Jahre gekommene Boot (Baujahr '78) auch in diesem Sommer von einer wenig königlichen Seite zeigte und mit Motorschaden für zwei Wochen an den Kay-Mauern von Palmas Hafen lag, entschloß sich der Bourbone zum Verkauf. Ernstzunehmende Angebote - bitte nicht unter US $ 2,5 Mio. - nehmen alle ortsansässigen Schiffsbroker, die königliche Familie in Madrid oder auch msm - Medien Service Mallorca (Adresse und eMail s.unten) entgegen. Wir wünschen Gute Fahrt!



 
+TELEGRAMM+TELEGRA + Preiskrieg an Spaniens Zapfsäulen: Quasi-Monopolist Repsol (Marken: Repsol, Campsa, Petronor) sorgte mit der landesweiten Senkung seiner Benzinpreise um ca. 1-2 PTS./Liter, insbesondere bei bleifreiem "Eurosuper", für reichlich Wirbel auf den Balearen. Grund: Die ökologisch sinnvolle Maßnahme - beim Verbrauch bleifreien Sprits liegt Spanien mit einem Anteil von 29 % (Deutschland: 94 %) mit an letzter Stelle in Europa - hat die Inseln wegen ihrer geographischen Sonderstellung so gut wie nicht erreicht. Berechtigte Frage eines Lokalpolitikers: "Warum ist der Sprit bei uns so teuer, wenn er auf den Kanaren nicht mehr als 70 PTS. kostet?" Die Antwort kennt nur der Herr Finanzminister in Madrid.
+ Wende bei den gestrichenen Iberia-Flügen: Nach zahlreichen Protesten aus der mallorquinischen Geschäftswelt (s. Mallorca News Nr. 9) gelang es Tourismusminister José María González Ortea am vergangenen Dienstag, den Präsidenten der spanischen Luftfahrtgesellschaft Javier de Irala in einem mehrstündigen Gespräch zu einer - vorläufigen - Annullierung der Annullierung zu bewegen. Die Flugverbindungen nach London, Frankfurt und Paris werden - zunächst bis März '97 - aufrechterhalten.
+ Top-Ergebnis im August: Mit einer Zimmerauslastung von durchschnittlich 95,3 % erreichte Mallorca im vergangenen Monat beinahe das Rekordergebnis aus dem Jahre 1994 (96,1 %). Einziger Wehrmutstropfen in der sonst makellosen Bilanz: die Region um Sóller mit nur 80, 5 %. Der Tunnel (samt Schnellstraße) wird's schon richten.
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