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Die Tops & Flops vom 14. Februar 1997


Fotos: Geo; msm-Archiv
SCHLUSSVERKAUF ODER SCHLUSS MIT DEM VERKAUF?

Es werden mehr, auf beiden Seiten. Immer mehr Ausländer, vor allem Deutsche, suchen auf der Insel einen Zweitwohnsitz. Immer heftiger regt sich in der mallorquinischen Bevölkerung dagegen der Widerstand (Foto u.: satirische Anzeige in mallorquinischen Tageszeitungen; Überschrift: "Mittelmeerinsel zu verkaufen". Während die einen mit telefonbuchdicken Hochglanzbroschüren und prall gefüllten Scheckheften auf Schnäppchenjagd gehen, fordern die anderen beim Erwerb von Grundbesitz erstmals eine Kaufbeschränkung für Ausländer. Schließlich beträgt deren Anteil an Mallorcas Grund und Boden in Regionen wie der Tramuntana oder der Llevant, in Kommunen wie Arta (s. Foto) oder Capdepera bereits mehr als 30 Prozent. 
Jetzt widmete erstmals der nationale spanische Rundfunk dem Thema ein halbstündiges Feature, im Club del Diario de Mallorca wurde offen miteinander diskutiert, die Gemeinde von Arta rüstet zur Werbeoffensive und am 10. März will Ministerpräsident Jaume Matas in Berlin die Problematik mit einem Vertreter des deutschen Außenministeriums erörtern. 
Die Stimmung verfinstert sich, eine rasche, verbindliche Regelung tut Not. Denn die Problematik ist komplexer als es das reflexartig vorgetragene "Wo es einen Käufer gibt, gibt es auch einen Verkäufer", vermuten läßt: Hier das Recht auf freie Wahl des Wohnsitzes innerhalb der EU, dort der begrenzte geographische Raum; hier Bereitschaft und Mittel, renovierungsbedürftige Objekte wieder in Stand zu setzen, dort das Festhalten an Jahrhunderte alten Werten und Traditionen, die schließlich einen Großteil des Inselcharmes ausmachen. Außerdem: Für manch weitverzweigte mallorquinische Familie ist der Verkauf einer Finca oft die einzige Chance, ein Erbe gerecht aufzuteilen. Die dank reger Nachfrage kontinuierlich steigenden Immobilienpreise verhindern dann später den Erwerb eines Eigenheims. 
Und ein Mallorca ohne Mallorquiner ist wahrlich das Letzte, worauf sich hochleistungsgeplagte deutsche "Aussiedler" freuen könnten.



 

Fotos: B. Ramon/Diario de Mallorca; Tomas Monserrat/Ultima Hora
DAS WUNDER BLIEB AUS

Mallorca und Spaniens Sportwelt haben einen neuen Nationalhelden: Es war in der Tat beeindruckend, mit welcher Gelassenheit und Souveränität der gebürtige Mallorquiner Carlos Moya (s. Foto) dem hohen Erwartungsdruck standhielt und das deutsche Daviscup-Team quasi im Alleingang bezwang. 6:4, 6:3, und 6:3 gegen Marc-Kevin Goellner, 6:4, 6:4, und 7:5 gegen Hendrik Dreekmann - ohne Satzverlust und ohne Break schickte Spaniens neuer Tennisstar, derzeit die Nr. 9 der Weltrangliste, die ideenlos, hüftsteif und lauffaul wirkenden deutschen Ersatzspieler unter die Dusche. Und das lag bestimmt nicht nur am gut präparierten, aber langsamen Sandplatz von Cala Ratjada, für den, so Deutschlands Teamchef Niki Pilic, Spanien "die derzeit beste Mannschaft der Welt besitzt." Ex-Champion Björn Bork in einer Anzeige im US-Magazin Time: "Moya kann noch ein ganz Großer werden". Und der desarrollador, zu deutsch: Bezwinger, selbst: "Ich kann noch sehr viel besser spielen."



 

Zeichnung: Pau/Diario de Mallorca 
KOLLEKTE FÜR EINEN EHRENMANN

Manchmal schlägt Mallorcas Lokalpolitik schon beachtliche Purzelbäume: Nachdem Ex-Landesvater Gabriel Cañellas (Partito Popular , im Sommer '95 von allen Regierungsämtern zurückgetreten) in der Tunnelaffäre (s. Mallorca News Nr. 13 und 20) laut Anklageschrift zu 1 Jahr Gefängnis und Hinterlegung einer Kaution in Höhe von 200 Millionen Pts., rund 450.000 Mark, verurteilt werden soll, starteten seine Parteifreunde sogleich eine groß angelegte Spendenaktion (Text der Karikatur: "... eine milde Gabe für einen armen Millionär. Sie dient nur dazu, eine Kaution zu bezahlen. Haben Sie denn kein Mitgefühl?").
Pointe der Geschichte: Die Aktion war keinesfalls mit der Parteispitze abgesprochen, sondern eine spontane Solidaritätsbekundung. Resultat: Die Regierungspartei in Madrid ist nun ernsthaft über den Inselableger vergretzt.



 
+TELEGRAMM+TELEGRA + Neckermann Reisen (40%) und Viajes Iberia (60%) sind Partner eines Joint-Ventures, das in Spanien und Portugal die Leitung von 18 Hotels mit insgesamt 15.000 Betten übernehmen wird. "Prestige und Know-how von Iberostar, sowie das enorme Potential von Neckermann als Reiseveranstalter" sollen laut Iberia-Präsident Miguel Fluxá dem neuen Unternehmen bereits im Startjahr zu einem Umsatz in Höhe von 17.000 Millionen Pts. verhelfen, das sind ca. 200 Mio. Mark.
+ Trotz gewisser Behinderungen durch den Umbau gibt es während der Hochsaison keine Beschränkungen der Start- und Landeerlaubnisse auf Palmas Flughafen Son Sant Juan, so versicherten zumindest Flughafenleitung und Charterer nach ihrer ersten Zusammenkunft in diesem Jahr. Ohnehin rechnet 1997 niemand mit einem neuen Besucherrekord.
+ Noch in diesem Jahr soll Mallorca eine eigene Wetterwarte erhalten, so María Jesús Prieto, Leiterin des meteorologischen Zentrums in Madrid. Die Installation ist seit 1984 vorgesehen.
+ Von den 4 Billionen Pts., fast 50 Mrd. Mark, die Spanien 1996 im Tourismusgeschäft eingenommen hat, stammen allein 850.000 Millionen Pts., rund 10 Mrd. Mark und damit ein Fünftel der Gesamtsumme, von den Balearen, so vermeldeten jetzt Regierungsquellen. Spanien insgesamt verdrängte damit bei den Tourismuseinnahmen Frankreich vom zweiten Platz hinter den USA.
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