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Die Tops und Flops vom 18.8.1997



Fotos: Montse Diez/Ultima Hora
DAS GROSSE WARTEN

Rekordwochenende an Palmas Flughafen So voll wie diesmal war's noch nie: Mit mehr als 220.000 Fluggästen allein am ersten Wochenende übertraf der Andrang der Mallorcabesucher selbst die kühnsten Erwartungen. Insgesamt werden in diesem August rund drei Millionen Abfertigungen registriert werden, rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Und das alles flankiert von einem Teilzeitstreik des spanischen Bodenpersonals. Die Folge: Verspätungen von durchschnittlich ca. 40 Minuten beim Start, 50 Minuten bei der Landung und Wartezeiten von bis zu drei Stunden bei der Gepäckausgabe (s.a. Flughafen der 1.001 Klagen).
Hinter den Kulissen kam es mitunter zu bizarren Szenen: Bei einer kleineren Condor-Maschine packten Kapitän und Copilot beim Gepäckausladen selbst mit an; vier von der Hapag Lloyd eigens aus Deutschland eingeflogene Hilfskräfte wurden als "Streikbrecher" von der Guardia Civil verhaftet. Mögliche Konsequenz: Die deutschen Charterer überlegen, den mit der staatlichen Iberia abgeschlossenen Abfertigungsvertrag zu kündigen und in der nächsten Saison zur neuen Privatgesellschaft Ineueropa zu wechseln.

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Fotos: msm-Archiv
Nicht nur am Flughafen kam es in den vergangenen Tagen zu tumultartigen Szenen. Auch in den Ferienorten selbst hieß es oft: rien ne va plus. Bereits Ende Juli hatten britische und deutsche Reiseveranstalter 6.000 Mallorca-Tickets aus dem Verkehr genommen, und Bild am Sonntag titelte am 27. Juli: "Das Chaos beginnt". Die letzten freien Unterkünfte wurden daraufhin für mehr als das Doppelte ersteigert: 15-20.000 Pts. statt 5-7.000 Pts. pro Bett waren die Regel. Das Mallorca Magazin Anfang August: "Mallorca ist zu 100 Prozent ausgebucht".
Während Neckermann und TUI lediglich bei Last Minute-Reisen Probleme einräumten, kamen die Urlauber anderer Veranstalter oft weit weniger gut weg. Da wurden Familien auseinandergerissen und in bis zu 10 km entfernten Hotels untergebracht; da fuhr manches Pärchen zu Frühstück und Abendessen 5 km weit ins nächstgrößere Hotel. Ein englischer Tour Operator verfrachtete seine überbuchte Klientel in ein eigens gechartertes Kreuzfahrtschiff; ein spanischer Veranstalter versüßte seinen Kunden den Mallorcaurlaub mit einem 14tägigen Upgrade nach Kuba. Auch die vom Tourismusministerium eingerichtete Bettenbank für Notfälle mit mehr als 200.000 registrierten Unterkünften erwies sich in der Praxis als Flop: Als die Nachfrage am ersten Augustsonntag ihren Höhepunkt erreichte, suchten Flughafenangestellte und Reiseleiter vergeblich nach Rat: Das eigens eingerichtete Büro war geschlossen.
Falls Sie trotzdem einen schönen Urlaub hatten: Enhorabuena, schließlich haben Sie ihn sich ja auch verdient.



 


Fotos: msm-Archiv
KAMPF UMS DABEISEIN

Medienhype um Mallorca! Wer dieses Jahr nicht selbst auf die Sonneninsel reisen konnte, war dank deutscher TV-Anstalten dennoch stets bestens im Bilde. RTL, MDR, ZDF, Pro 7, Vox und Sat 1 versorgten die Daheimgebliebenen lückenlos - und oftmals live - mit bunten Bildern vom Ballermann und gelegentlichen Ausflügen ins Hinterland. Einsamer Höhepunkt (s. Foto u.): Gotthilf Fischer versucht sich bei Blitz als Dompteur eines sangriageschwängerten Männerchors. Moderatorin Monica Lierhaus (Foto o.) blieb nur die Flucht in die Heiserkeit. Noch das beste: Lilo Wanders interviewt den Einsatzleiter der Riu Palace-Staffel für Liebe Sünde. Diesen Sommer auf Mallorca gedrehte Beiträge für Birgit Showranges Live (vorauss. Sendetermin 28.8.) und Tommi Ohrners Versteckte Kamera (ab September) stehen noch ins Haus.
Wunschdenken von  fürs nächste Jahr: Statt lallender Kampftrinker, klirrender Masten im Yachthafen und lispelnder Starlets vor ihrer Lieblingsbar... vielleicht doch 'mal ein paar richtige Reportagen über das "Florida Europas". Wir sind gerne mit Rat und Tat behilflich und - keine Angst - denken dabei auch an die Quote!

Die hübsch geratene Bestandsaufnahme Mallorca - das bessere Deutschland von Spiegel-Autor Thomas Hüetlin (Nr. 33/97) gibt's für alle, die das Heft am Kiosk verpaßt haben, ab sofort auch hier.



 

Foto: Diario de Mallorca
FÜRS ERSTE VERZOCKT

Rückschlag für Mallorcas ehrgeizige Casino-Pläne: Neben dem bereits existierenden, weit ab vom Touristentrubel gelegenen Casino von Magaluf, sollte ein zweites in unmittelbarer Nähe von Palma installiert werden. Nachdem man im Frühjahr bereits baufertige Entwürfe vorgelegt hatte, zog jetzt einer der aussichtsreichsten Kandidaten, das Caesar's Palace in Las Vegas, seine Bewerbung für die neu zu vergebende Lizenz offiziell zurück. Die Begründung läßt aufhorchen: "Unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen", so die US-Gruppe in ihrer Marktanalyse, "läßt sich auf Mallorca mit dem Glücksspiel legal kein Geld verdienen. Bei den aktuellen Steuersätzen von annähernd 50 Prozent ist die Insel allenfalls für betrügerische oder mafiose Gruppen attraktiv."
Das von vielen favorisierte Modell aus der US-Glücksspielmetropole sah Gesamtinvestitionen in Höhe von 25.000 Mio. Peseten (rund 300 Mio. Mark) vor, die sich in nur drei Betriebsjahren amortisieren sollten - für die Balearen eine zusätzliche Steuereinnahme von jährlich ca. 3.000 Mio. Peseten (rund 36 Mio. Mark). In einer ersten Stellungnahme versicherte ein Regierungssprecher, es lägen ca. "zehn weitere Anfragen und Bewerbungen vor", die unabhängig von der Diskussion um die Steuerautonomie der Balearen alle weiter verfolgt würden.



 
+TELEGRAMM+TELEGRA + Freispruch zweiter Klasse: Nach ca. einjährigen Ermittlungen (s. Mallorca News Nr. 22, 20, 13) endete das Verfahren gegen Ex-Ministerpräsident Gabriel Cañellas und seine Mitangeklagten der PP mit einem Freispruch. Das Gericht hält den Tatbestand der Bestechlichkeit im Zusammenhang mit dem Bau des Sóller-Tunnels zwar für erwiesen, erkannte aber auf Verjährung. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger gehen in die Berufung. Das politische Comeback des starken Mannes der Balearen scheint jedoch trotz beibehaltenem Abgeordnetenmandat vereitelt: Ministerpräsident José María Aznar, zugleich PP-Chef Spaniens, meinte: "No".
+ Erwartung übertroffen: Mit über 800.000 Nutzern seit seiner Eröffnung im Februar '97 bzw. ca. 5.000 Passagen pro Tag liegt der neue Sóller-Tunnel (s. Mallorca News Nr. 23, 22, 20) schon jetzt rund 1.000 Nutzer/Tag über dem Soll. Trotzdem geht die Rechnung bisher nicht auf: Statt der erwarteten 17 Prozent sind mehr als 50 Prozent der Nutzer Residenten. Die dürfen den Tunnel zum halben Preis passieren.
+ Startschwierigkeiten: Die für den 17. Juli angekündigte Premiere des Zirkus Flic Flac (s. Mallorca News Nr. 13 und 4)ist bis auf weiteres verschoben. Nach dem Zerwürfnis mit dem deutschen Rechteinhaber Benno Kastein macht Art Media Affairs-Geschäftsführer Eduard Hingerl nun eine Mängelliste zu schaffen, die der Magistrat von Calvià unmittelbar vor dem Start präsentierte.
+ Auf Expansionskurs: Während die Kooperationsgespräche zwischen TUI und der LTU ins Stocken geraten zu sein scheinen (s. Mallorca News Nr. 23), erweitert Konkurrent Condor seinen Einflußbereich. Die Übernahme der beiden Veranstalter Fischer Reisen und Air Marin (jeweils ca. 80.000 Mallorcatransfers/Jahr) ist abgeschlossen, die Verhandlungen mit Neckermann werden fortgesetzt.
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