msm-Logo MALLORCA NEWS SPECIAL Nr. 28

vom 13.11.1997

Die Kneipe BierkoenigManfred Meisel (+ 49)
TatortskizzeBierkoenig, EM-Finale 96
Der Sarg wird abtransportiertVor der Finca warten schon die Journalisten
Fotos: B. Ramon/Diatrio De Mallorca;
BILD; msm-Archiv;
Infografik: J.J. Alaro
DER TOD DES BIERKÖNIGS

Blutbad in Arenal. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurden in seiner Villa Ses Barraques in S'Aranjassa der deutsche Kneipier Manfred Meisel, sein achtjähriger Sohn Patrick und seine aus Lüneburg stammende Angestellte Claudia Leisten brutal ermordert(s.a. Schilderung des mutmaßlichen Tathergangs auf der nächsten Seite). Gegen 7.45 Uhr wurden die drei Leichen von Angestellten entdeckt. Der 49jährige Unternehmer wurde auch über die Grenzen Mallorcas hinaus bekannt als Bierkönig von Arenal, wo er die gleichnamige Gaststätte in der Schinkenstraße sowie die Bar Confetti, das Hotel Xapala und eine Imbißbude besaß. Ein Hotel in Frankfurt, das ihm ebenfalls gehörte, soll er vor kurzem verkauft haben.

Da weder 200.000 Pts. Bargeld (ca. 2.400 Mark), die Meisel noch in seiner Hosentasche hatte, noch sonstige Wertgegenstände entwendet wurden und auch die beiden Geldtresore der Villa mit ca. 4 Mio. Pesetas Barvermögen (rund 50.000 Mark)unberührt blieben, vermutet die Polizei einen Racheakt. Merkwürdige Umstände haben den Mord begleitet: Während die Polizei zunächst nicht auf das weitläufige Gelände vordringen konnte, weil die fünf freilaufenden Hunde, die das Gelände bewachten, angeschlagen hatten, blieben diese - nach Aussagen von Nachbarn - in der Nacht zuvor stumm. Vermutung der Polizei: Die Tiere müssen den oder die Täter gekannt haben.

Viele Indizien deuten auf einen Fememord, wobei Tatumstände und Motive bisher noch völlig im Dunkeln liegen. Gerard, ebenfalls Kneipier in Arenal und ein enger Bekannter des Ermorderten, gab zu Protokoll, dass Meisel ihm gegenüber bereits seit ca. drei Jahren gelegentlich von Morddrohungen gesprochen hätte: "Noch vor gut einem halben Jahr sagte Meisel zu mir im Regine's: 'Da gibt es welche, die wollen mich platt machen.'" Aussagen der mallorquinischen Polizei zufolge war die Tat "perfekt geplant und mit großer Präzision durchgeführt - vermutlich die Arbeit von Profis".

Bei den Anrainern der Schinkenstraße war Meisel keinesfalls allseits beliebt. Ein Nachbar: "Er behandelte seine Angestellten oft mies, wurde gelegentlich grob und ausfallend; einige hat er erst gar nicht bezahlt." Ein anderer: "Die Bodygards, die ihn zuletzt begleiteten, haben uns immer Angst eingeflößt." Einige machten Andeutungen von "schmutzigen Geschäften", an denen er beteiligt gewesen sein soll. Auch von finanziellen Schwierigkeiten, in die Meisel zuletzt geraten sein soll, war gelegentlich die Rede. Fest steht: Der Selfmademann hatte viele Neider.

Bereits in den letzten Wochen war Meisels Bierkönig mehrfach in die Schlagzeilen der lokalen Presse geraten: Wegen einer fehlenden behördlichen Genehmigung blieben die Lautsprecher in Mallorcas - neben Ballermann und Oberbayern - bekanntester Kneipe zuletzt stumm. Meisel machte daraufhin bereits drei Tage vor Saisonschluß zu.

Erste Spuren führen sowohl in die Frankfurter Halbwelt, wo Meisels Sohn aus erster Ehe angeblich immense Spielschulden hat, als auch nach Südamerika, von wo Meisel den Großteil seiner fast 2.000 seltenen Papageien und Singvögel bezogen hat, die er in fincaeigenen Voleren hielt - bei Schwarzmarktpreisen bis zu 50.000 Mark für einen Ara ein teures Hobby. Doch auch hier gibt es Widersprüche: Während er gegenüber Bekannten geäußert haben soll, er wolle jetzt richtig mit dem - verbotenen - Handel in Deutschland einsteigen, hat er laut mallorquinischen Quellen erst vor kurzem einen Antrag gestellt, die zu Beginn des Jahres erworbene Zweitfinca an der Landstraße nach Algaida in einen öffentlichen Vogelpark umbauen zu dürfen.

In Polizeikreisen ist mittlerweile auch immer offener von einer deutschen Mafia auf Mallorca die Rede, die in der Gegend zwischen Santanyi und Felanitx (Hamburger Hügel) ansässig sein soll und von dort aus angeblich inselweit bei deutschen Unternehmern Schutz- und Schweigegelder kassiert. Nur aus Angst vor möglichen Konsequenzen habe bisher noch niemand Anzeige erstattet.

Meisels zweite Ehefrau Diana Ritter (28), die im dritten Monat schwanger ist, erreichte die Nachricht vom Tod ihres Mannes bei einem Arztbesuch in Frankfurt. Sie wurde nach ihrem Eintreffen auf Mallorca sofort unter Polizeischutz gestellt und im Laufe des Donnerstags ebenso ausgiebig von der Guardia Civil verhört wie Meisels engster Vertrauter, Ex-Bierkönig-Koch Sven Masinger.

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