msm MALLORCA NEWS Nr. 30

Die Tops und Flops vom 20.2.1998

Di und Dodi - im TV-Film
Beim Poloturnier - in Lluchmajor
Fotos: Diario de Mallorca; The Reader
DI & DODI AUF MALLORCA

Eine Insel mit vielen Gesichtern. Bosnien, Angola, Sardinien, Frankreich, England und Pakistan - das alles kann Mallorca sein! Zumindest im Fernsehen, für das jetzt ein englisches Produzententeam die letzten Wochen und Monate im Leben von Di und Dodi verfilmt: The People's Princess - das ist natürlich Diana.

Im Hostal Es Port in Puerto de Sóller wurde das Projekt präsentiert, in fast allen Inselregionen wird nun gedreht, um Dianas letztes Lebensjahr und die Schauplätze des reiselustigen Paares - mit dem vergleichsweise bescheidenen Budget von 3 Mio. Dollar - auf Celluloid zu bannen. Regisseurin Gabrielle Beaumont (Startrek, Tod eines Centrefold), die auch das Drehbuch geschrieben hat: "Ursprünglich wollten wir das Projekt in Kalifornien realisieren. Bis wir entdeckten, dass auch Mallorca über all die Schauplätze - und eine gute Infrastruktur - verfügt, die wir für unsere Story brauchten. Hinzu kommt dieser europäische Touch, den man in Los Angeles vergeblich sucht."

Für die erst 23jährige Amy Clare Seccombe (s. Fotos, l.), die Diana verblüffend ähnlich sieht, ist es die erste Hauptrolle: "Schon als junges Mädchen war ich eine große Bewunderin von Lady Di".

Der Film soll bereits im April 1998 in den Verleih.



 
Hotel Valparaiso Palace
Busfahrten
Foto: msm-Archiv; Diario de Mallorca
MUT ZUR LÜCKE

Baustop für Mallorcas Hotels. Auf den Balearen dürfen bis auf weiteres keine zusätzlichen Hotels entstehen. Die Balearenregierung fror jetzt per Dekret den Bau weiterer Herbergen bis Ende 1999 ein. Demnach dürfen Neubauten nur noch entstehen, wenn im Gegenzug alte Unterkünfte mit der gleichen Bettenanzahl abgerissen oder komplett renoviert werden. Regierungschef Jaume Matas: "Für eine weitere Zunahme sind die Kapazitäten erschöpft." Künftig soll vorrangig gelten: Qualität statt Quantität. Mit dem Erlaß will man auch eine Modernisierung des gegenwärtigen Angebots erreichen. Renovierungsbedürftige Hotels werden demnach geschlossen. (Foto: das runderneuerte 4 Sterne-Haus Valparaiso Palace in Palma). Auch der Zunahme von - oft illegal vermieteten - Ferienwohnungen soll mit einem - noch zu verabschiedenden - neuen Tourismusgesetz begegnet werden.

Was grundsätzlich bei fast allen Beteiligten zu Recht Anklang findet - selbst Mallorcas mächtiger Hoteliersverband signalisierte Zustimmung - hat auch seine Kehrseite: Während die Anzahl von Luxusbetten auf den Balearen stetig zunimmt, ist die von Luxustouristen letztlich begrenzt. Und: Wer pro Nacht problemlos 30.000.- Pts. für ein Doppelzimmer zahlen kann, denkt schon 'mal schneller über einen Fincakauf nach. Die Folgen sind bekannt, das allgemeine Wehklagen über eine drohende Überfremdung auch nach dem Scheitern der Amigos Alemanes(s.u.) noch keinesfalls verstummt.

Passend zum Trend: Auch Billigausflüge in Bussen - etwa ohne Museumsbesuche oder Mittagessen, sprich: ohne nennenswerte (Steuer)Mehreinnahmen - hat die Regierung jetzt verboten .



 
Barca-Real am 15.2.98
Hector Cuper - Trainer von Real Mallorca
Foto: msm-Archiv; Diario de Mallorca
REIFEPRÜFUNG

Europa, wir kommen. Kompakte Abwehr, schnelle Spitzen, ein Torwart, der sich auch mit Muskelfaserriß nicht auswechseln läßt: Manchmal kann auch ein 0:0 beeindrucken. So geschehen bei Real Mallorcas torlosem Unentschieden vor 75.000 Zuschauern in Barcelona - trotz eines holländischen Sturkopfes von Trainer noch immer eine der besseren Adressen im internationalen Fußball.

Wovon zu Saisonbeginn niemand zu träumen wagte, nach der "Woche der Wahrheit" ist es greifbar nahe: Im Halbfinale des Copa del Rey muß "nur" noch Zweitligaspitzenreiter >Alaves bezwungen werden, dann kommt vielleicht Besuch aus München, Mailand oder Manchester. Grund: Beim Einzug ins Finale heißt der Gegner vermutlich wieder Barca. Und die spielen gefälligst - sonst macht man in Kataloniens Hauptstadt aus Gouda Emmentaler - auch nächstes Jahr in der Champions League. Platz frei für den Finalisten!

Vater dieses Erfolges ist Mallorcas argentinischer Trainer Hector Cuper(Foto o.). Der verhalf schon in seiner Heimat dem Provinzclub Lanus zu Spitzenplätzen, ist bei Pressekonferenzen und Interviews uneitel bis zur Selbstverleugnung und redet am liebsten von "Punktgewinnen im Abstiegskampf" - für Mallorcas nicht gerade publikumsscheuen Präsidenten Bartolome Beltran also genau der richtige Mann. Schalker Pressing mit einem gelegentlichen Hauch von Gaucho-Genialität - der vermeintliche Abstiegskandidat hat die beste Abwehr der Liga und steht z.Z. auf einem Uefacup-Platz.

Präsi Beltran muß für seine gute Trainerwahl demnächst wohl ordentlich bluten: Die einstigen no-names wie Abwehrturm Ivan Campo (Foto u.r. im Zweikampf mit Barcas Brasilianer Giovanni), Flankenkönig Stankovic, Sturmtank Amato und Megatalent Valeron werden mittlerweile von einem guten Dutzend europäischer Spitzenclubs gejagt.

© msm Mallorca Online 1998



 
Horst Abel"Mallorca den Mallorquinern"
Der deutsche Don Quixote von Mallorca
Fotos: Bellevue, Diario de Mallorca
IRREN IST MENSCHLICH

Der Spuk ist vorbei. Großmetzger und -gastronom Horst Abel (s. Foto), der mit seiner Absicht, auf Mallorca eine deutsche Partei namens Amigos Alemanes de España zu gründen, in der mallorquinischen Öffentlichkeit und unter deutschen Residenten heftige Diskussionen ausgelöst hatte (s. Mallorca News Nr. 29), will seine Pläne, so Abel, "aus geschäftlichen wie aus persönlichen Gründen nicht weiter verfolgen". So weit, so gut.

Ein übler Nachgeschmack bleibt trotzdem:

  • Ist die Idee, eine deutsche (Minderheits)Partei im Ausland als machtpolitisches Zünglein an der Waage etablieren zu wollen, in einem Europa ohne Grenzen schon absurd genug, so zeugt sie am Standort Mallorca, dessen Bewohner zunehmend um ihre Identität fürchten, von einem erschreckenden Mangel an Sensibilität. Als Politiker hat sich Horst Abel dadurch - und durch zahlreiche taktische Fehler im Umgang mit Öffentlichkeit und Medien - von Anbeginn selbst diskreditiert.
  • Umgekehrt stünde es einer Region, die seit nunmehr drei Jahrzehnten fast ausschließlich von ihrer Offenheit für Reisende und, zuletzt vermehrt, Residenten aus anderen Ländern lebt, gut zu Gesicht, weniger gereizt bis hysterisch zu reagieren, wenn einer von ihnen, erstmals politisch, seine Meinung kundtut. Mallorca den Mallorquinern - natürlich, wem sonst? Fragt sich nur, ob man auch Zugezogene, die gelegentlich andere Werte und Vorstellungen mitbringen - wie eben Horst Abel und wohl noch einige andere mehr - überhaupt zu "Mallorquinern" werden läßt. Zu einer geglückten Integration gehören immer zwei, wenn sie denn mehr sein soll als Anpassung um jeden Preis. Notfalls auch einmal ohne den freundlich starren Blick aufs gute Geschäft.
Am Ende, in einer TV-Debatte des mallorquinischen Kanals Telenova, dann doch noch versöhnliche Gesten. Da saß der leibhaftige Parteigründer inmitten junger, stolzer Mallorquininer, verstand leidlich Katalan und durfte sogar in Castellano ausreden. Heraus kam das Bild eines eher schlichten Mannes, der viel gearbeitet, ein paar Peseten verdient und seine im Laufe der Jahre gewachsenen Überzeugungen im entscheidenden Moment etwas vorschnell bis vorlaut hinausposaunt hatte.

Siehe da, das Monster war auch nur ein Mensch. Und der hatte sich halt geirrt. Das verstanden denn auch die Mallorquiner.

© Peter Rogalewski / msm Mallorca Online 1998



 
+TELEGRAMM+TELEGRA + Telefon I Ab 4. April gelten in ganz Spanien neue Telefonnummern: Die Vorwahl von Deutschland für Mallorca lautet dann "0034-971-..." Und auch innerhalb des gleichen Ortsnetzes, also auch auf den Balearen selbst, kommt zur gewohnten Telefonnummer noch die Ortskennzahl hinzu. Mallorca Online erreichen Sie dann auch von Alcúdia, Manacor oder Palma aus nur noch unter der 971-72.36.66. "Zusätzliche Kosten", so die Telefónica in einem dazugehörigen Rundschreiben von beachtlicher Einfalt, seien "mit der Umstellung nicht verbunden". Wohl nur für die 200-300.000 Firmen, die jetzt ihre Datenbanken aktualisieren dürfen :-((...
+ Telefon II ...da probieren wir unser Glück doch lieber 'mal bei Retevision. Mit einmonatiger Verspätung (s. Mallorca News Nr. 26), einem vorerst nur begrenzten Angebot und kleineren technischen Pannen, dafür aber mit einer für spanische Verhältnisse gigantischen Werbekampagne startete der private Konkurrent des Ex-Staatsmonopolisten am 15. Januar seinen Betrieb. Unter der Netzvorwahl 050 sollen Ferngespräche innerhalb Spaniens und ins Ausland um bis zu 30 Prozent billiger werden. Ob's wirklich stimmt? Wir verraten es Ihnen nach Erhalt unserer nächsten Telefonrechnung.
+ Landschaftssteuer Erster, einziger und ernstgemeinter Vorschlag der neugegründeten Interessengemeinschaft Amics de Fora Vila (etwa: "Freunde des Landlebens"), einem Zusammenschluß mallorquinischer Fincabesitzer: Die Balearenregierung möge für die Benutzung und Instandhaltung privater Wanderwege und zur Landschaftspflege doch bitte von jedem Touristen pauschal eine Ökosteuer in Höhe von 1.000 Pts., rund 12 Mark, eintreiben. Begründung der Landwirte: Sie hätten es "satt, für die Tourismusbranche den Gärtner" zu spielen.
meint: Irgendetwas auf dieser schönen Insel läuft derzeit aus dem Ruder.
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