![]() Foto: Lorenzo/Diario de Mallorca |
MALLORCAS
HEIMLICHE REGENTIN
"Wissen Sie, warum trotz dieser Affenhitze dunkle Rauchwolken aus den Kaminen von Palmas Amtsgebäuden quellen", ist einer der beliebtesten Kneipenwitze dieser Tage. "Die Sozialisten kommen, da muß vorher aufgeräumt werden", meint ein beamteter Türsteher, der vermutlich nicht, wie viele hohe Chargen, um seinen Job bangen muß und nun auch den neuen Herren im Consulat de Mar die Pforte aufhalten darf. Nach 16 Jahren ununterbrochener Herrschaft der Konservativen, erst Alianza Popular, dann Partido Popular verpaßte die bisher allein regierende PP unter ihrem jungen Präsidenten Jaume Matas bei den Regionalwahlen Mitte Juni knapp die absolute Mehrheit. Jetzt muß er die nächsten vier Jahre die Oppositionsbank drücken und das mit mehr als 40 Prozent der Wählerstimmen. Die Macht auf den Balearen übernommen hat eine Koalition dreier Parteien, die Ministerpräsident Aznar "Pakt der Verlierer" nannte und die sich selbst zum Fortschrittspakt ernannt hat. Ähnlich wird das seit vier Jahren im Inselrat von Mallorca praktiziert. Unter der Führung des Sozialisten Francesc Antich versammelten sich alle anderen im Balearenparlament vertretenen Parteien zu diesem Anti-PP-Pakt. Die Sozialisten der PSOE, zweitstärkste Partei bei den Wahlen am 13. Juni, erhielten gerade gut die Hälfte der Stimmen der PP. Zusammen mit Neuen Linken und Grünen stellen sie einen Block von 28 Abgeordneten genauso viele wie die PP. Damit lag die Entscheidung, wer die Balearen die nächsten Jahre regiert, in der Hand einer winzigen Minderheit: Die Unió Mallorquina stellt gerade mal drei Abgeordnete und trotzdem hatte ihre Chefin María Antonia Munar jetzt die freie Auswahl, mit dem zu regieren, der ihr das bessere Angebot macht. ... |
| DER
KRAFTAKT DES MICHAEL DOUGLAS
- von Renate Pentzien - Michael Douglas findet das Vorhaben gar nicht gut, dass kulturhistorisch bedeutende Anwesen auf Mallorca der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Das Gesetz hat zur Folge, dass Touristen aus aller Welt durch sein Wohnzimmer in S'Estaca bei Deià latschen sollen - wem würde das schon gefallen? Um den ungewünschten Besuch zu verhindern und zugleich politisch konservative Gemüter zu besänftigen, hat sich der amerikanische Schauspieler und derzeitige UN-Friedensbotschafter zu einem kulturhistorischen Beitrag entschlossen und die Eröffnung eines Kulturzentrums in Valldemossa angekündigt: Costa Nord de Mallorca soll im Jahr 2000 täglich 3000 Besucher anlocken, die sich für die Serra Tramuntana interessieren, die Gebirgskette zwischen Port d'Andratx und Port de Pollença. Natürlich würden voyeuristische Douglas-Fans lieber durch die Gemächer ihres Idols wandeln, auf seinen erlesenen Teppichen spazieren, eine Liebeserklärung auf die Wand seines Schlafzimmers kritzeln! Doch nach deren Vorlieben hat der Filmstar lieber nicht gefragt. Wer S'Estaca aber aus Interesse an dem österreichischem Erzherzog Ludwig Salvator, einem Mitglied der kaiserlichen Familie, besichtigen würde, kann sich freuen: Michael Douglas hat als Alternative zu dem unerwünschten Hausbesuch die Finca Cases Canques in Valldemossa gekauft und wird die ganz den Freunden des Erzherzogs und der von diesem geliebten Region widmen. Geplant sind Ausstellungsräume, ein Kino mit dreiteiliger Leinwand und eine dem Erzherzog gewidmete Sonderausstellung mit Nachbau der Nixe, dem Dampfschiff des Habsburgers. ... |
| STEUERFALLE
FÜR GELDANLEGER
Ausländer ohne offiziellen Wohnsitz auf den Balearen, die ihr Geld bei Mallorcas Banken angelegt haben, laufen in eine Steuerfalle: Seit Anfang dieses Jahres ziehen einzelne Banken auch von den Zinsgewinnen auf Ausländerkonten eine Quellensteuer ab, die sich zwischen 25 Prozent für Festgeld und 35 Prozent für Aktien oder Fonds bewegt. Ein Ausländerkonto in Spanien, ein sogenanntes Nicht-Residenten-Konto, war bisher eines der letzten Schlupflöcher innerhalb der EU. Zinserträge von Ausländern ohne Wohnsitz in Spanien waren quellensteuerfrei. Genauso gut wie Luxemburg, nur nicht so in Verruf geraten. Kein Wunder, dass spätestens seit der Wiedereinführung der Quellensteuer in Deutschland immer mehr Deutsche ihr Geld auf spanische Konten transferierten. Zwar müssen sie, um korrekt zu handeln, auch ihre ausländischen Zinseinkünfte in ihrer deutschen Steuererklärung nennen, doch ob sie es taten, war freilich ihre freie Entscheidung. Wer es nicht tat, machte sich zwar strafbar, aber die Praxis zeigte, daß dies bisher ein eher kleineres Risiko war. Spaniens Banken und deutsche Banken in Spanien profitierten von diesem Trend. Vor allem Deutsche mit Zweitwohnsitz Spanien richteten sich hier Konten ein. So waren sie näher bei Ihrem Geld und obendrein strichen viele von ihnen die Erträge brutto für netto ein. Für die Kunden verschiedener Banken ist der Traum von der quellensteuerfreien Geldanlage allerdings ausgeträumt: ... |
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BUSINESS
AS USUAL
- von Roland Füllenbach - ... Der Moderator aus Malibu hat gerade die Lieblingsinsel der Deutschen mit dem fernen Gran Canariaverwechselt, noch ganz unter dem Einfluß des Drogencocktails, den ihm sein Münchner Leibarzt zur Betäubung des am Morgen erlittenen Bandscheibenvorfalls verabreicht hat. Die Caballé kommt spät, singt dann aber doch. Die Loren spricht viel von ihrer Arbeit. Das Topmodel gibt die emanzipierte Minderheit. Der dicke Dirk ist nicht besonders lustig, hat eigentlich auch gar keine Lust. Das Moderatorinnen-Trio, das eine wohlmeinende - oder schlecht informierte? - mallorquinische Chronistin tags darauf für "drei deutsche Models" hält, grinst und plaudert wie stets, nur diesmal zu dritt. Verona geht freiwillig baden. Der Moderator sinkt nicht in den Staub. Und die Wetten haben irgendwie alle etwas mit freiem Himmel oder mit Wasser oder mit schwindelerregender Höhe zu tun. Mit all den Sachen halt, die man in einer stickigen deutschen Mehrzweckhalle in dieser Form nicht bringen kann. Entsprechend friedlich bleibt - trotz zweimal dreißig Minuten torloser Verlängerung - auch das Arenapublikum: Im weiten Rund erklingt weder die Dritte Strophe noch der Refrain mit den 10 nackten Friseusen. 54,6 Prozent Marktanteil vermelden die Kriegsberichterstatter tags darauf daheim an der Front! Rekord!! Also ein voller, ein toller, ein wohlverdienter Erfolg!!! Schließlich trank man Warsteiner und KöPi, stammten die Wurstwaren von Abel, der Mercedes von Mika Häkkinen - oder war es doch West? - und die After Hour-Party wurde Ihnen präsentiert von Deutschlands meister, der EuroCard. Alle Logenplätze blieben fest in der Hand des roten Touristikerbataillons. Und sogar der italienische Pausenclown - angeblich Wahlmallorquiner, dabei als Mitglied der Cronicas marcianas doch eher auf der payroll des Telecinco im fernen Madrid -, dieser tapfere Ramon Hood, der sich mit einem Dutzend Getreuer vor den Toren des coliseo zum Rächer der Enterbten erhob, gab sich - angesichts der numerischen und marktstrategischen Übermacht der Teutonen - schließlich nach gut einer Stunde geschlagen. ... |
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