msm-Logo MALLORCA NEWS Nr. 33

Die Tops und Flops vom 2.8.1999

Spiegel Cover 31/99"...nur ein Deutscher!" PAU-Cartoon vom 16.7. im Diario de Mallorca
Grafiken: DER SPIEGEL;
PAU/Diario de Mallorca
DIE GEISTER, DIE ICH RIEF...
- Roland Füllenbach über den SPIEGEL und seine Cover-Story "Wem gehört Mallorca?" -

Es war an einem heißen Samstag im August '97. Der Spiegelhatte gerade seine legendäre Coverstory Mallorca - das bessere Deutschland veröffentlicht, und der Autor dieser Zeilen ließ es sich nicht nehmen, dem Diario de Mallorca in Gestalt seines Starkolumnisten Matias Valles den Text vorab zuzufaxen. Das hätte er besser nicht getan. Denn von diesem Moment an war in Mallorca, zumindest in dessen Medienlandschaft, nichts mehr so wie es einmal war.

Der Starkolumnist - als einer der wenigen Mallorquiner in der Lage, Goethe im Original zu lesen - erregte sich über den "anmaßenden Titel", vergaß alle feingeistige Ironie und polemisierte fortan jenseits jeder literarischen Lehre gegen jeden Quadratmeter teutonischer Landnahme samt dazugehörigem Häuslebau. Im Tandem mit dem ebenso talentierten wie jungen Karikaturisten PAU polterte er zwei Jahre lang frontal gegen alles, was auch nur im entferntesten nach Made in Germany klang. Bis sein Elan - dank eines neuen Anzeigenkunden aus dem Immobilienbereich - etwas zum Erliegen kam. Seinen Anteil am jüngsten Regierungswechsel mögen spätere Historikergenerationen ergründen.

Doch auch das Terrain für eine sich verschärfende Gangart in der - verbalen - Auseinandersetzung zwischen Alteingesessenen und neu Hinzugezogenen war fortan bestellt. Jüngster und - hoffentlich - einmaliger Höhepunkt : PAUs Diario-Cartoon vom 16.7.(s.l.): im Vordergrund ein als KuKluxKlan-Mitglied verkleideter Mallorquiner(?) mit leerem Benzinkanister, im Hintergrund ein brennend davon eilendes Männchen; Sprechblase: "Ich ein Rassist? Aber wenn es doch weder ein Neger noch ein Araber noch ein Zigeuner ist! Sondern nur ein Deutscher!" (s.l.)

In den USA kostet diese Art Agitprop dank eines tüchtigen Anwalts leicht ein mittleres Erbe. In Deutschland auch schon 'mal zwei Jahre Knast. Der verantwortliche Chefredakteur erhielte zumindest eine Rüge des Presserats. Und ein sensibleres Gemüt nähme womöglich gar seinen Hut. Auf Mallorca wird derlei z.Z. gern stillschweigend übergangen. Schließlich liegt das - Achtung, Matias, keine Ironie! - moralische Recht in diesem unerklärten Krieg auch auf Seiten der Mallorquiner. Und außerdem: Es herrschte doch Wahlkampf, tags darauf fielen das ZDF und die LTU über Palma her, und PAU ist noch jung...

Jetzt also legt der Spiegel nach (s.o.), noch stets mit feinen Antennen ausgestattet für Sommerthemen, die wirklich bewegen. Der verdiente Spracherzieher und Demokrat Wolf Schneider beschwört den allseitigen Frieden, als wär's ein 70er Jahre-Leitartikel der Zeit("...mit den Mallorquinern Arm in Arm..."). Die weit weniger lobenswerte Calvià-Bürgermeisterin Margarita Najera erhält ausgiebig und unhinterfragt Gelegenheit, sich als Umweltpolitikerin zu präsentieren ("...bekommt in jedem Restaurant mindestens einen café solo vom Chef..."). Ihr tatsächlicher Verdienst für Mallorcas Naturschutz läßt sich dagegen z.B. bei einer Bootspartie entlang der von ihr zu verantwortenden Südwestküste ausloten: Zwischen ununterscheidbar zusammengewachsenen Ortschaften kaum noch ein Quadratmeter Küstengrün. Als wär's eine Landschaft bei Benidorm! - So geht's halt, liebe Hamburger Kollegen, wenn man bei großer Hitze 'mal kurz herbeigeflogen kommt und den kritischen Sachverstand - wie die meisten aus zentraleuropäischen Breiten - am Mietwagencounter abgegeben hat.

Daß Matias Valles, der Diario de Mallorca und die mallorquinische Öffentlichkeit diese neuerliche Kampfansage im Betroffenheitsstil nicht unwidersprochen lassen, ist anzunehmen. Daß die Diskussion nun endlich zu Grundsätzlichem (Baustop, Tourismuskapazitäten, Flughafenauslastung, EU-Recht vs. Schutz der Regionen) vordringt, ist wünschenswert. dass der Ton sich dabei nicht weiter verschärft (s.o.), bleibt nur zu hoffen.

Fortsetzung folgt. So sicher wie das Amen in einer mallorquinischen Kirche! 

© Roland Füllenbach/msm Mallorca Online

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