msm-Logo MALLORCA NEWS Nr. 35

Die Tops und Flops vom 13.8.1999

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Fotos: msm-Archiv

ZIMMER ZU VERMIETEN

Wer das anbietet, riskiert jetzt 60.000 DM Geldstrafe! Mallorcas Politiker und Behörden fahren schwere Geschütze gegen illegalen Tourismus auf.

Vor drei Jahren kam Günther F. nach Mallorca. Der 43 Jahre alte Autoschlosser hatte von seinen Eltern eine halbe Million DM geerbt. Mit dem Geld kaufte er eine schmucke Villa am Rand eines Ortes im Inselinnern. Zuerst vermietete er Zimmer an Freunde und Bekannte. Dann warb er im Internet: "Traumhaftes Ferienhaus auf Mallorca zu vermieten!" Er veröffentlichte seine Telefonnummer, wurde angezeigt. Vorwurf: Illegales Vermieten einer Urlaubswohnung ohne Genehmigung und Gewerbeanmeldung. Sein Anwalt rechnet mit 5 Mio. Pts. Geldstrafe, etwa 60.000 DM.

Mallorcas Politiker und Behörden sagen der privaten Vermietung von Zimmern, Wohnungen oder ganzen Häusern den Kampf an: "Es gibt keinen Sinn, die Hotelplätze zu beschränken, wenn es auf der anderen Seite immer mehr private Betten gibt", meint Celestí Alomar, Conseller für Tourismus der neuen Regierung. Die Folge: 800 Anträge von Leuten, die ganz offiziell Ferienvermietung betreiben wollen, läßt er erstmal liegen.

Daß Anträge auf dem Verwaltungsweg verstauben, klagen viele Interessenten. Wie die Schweizer Witwe, die nach dem Tod des Mannes auf ihrer Finca Zimmer vermieten wollte. Legal. Sie erfüllte alle Gesetzesauflagen und beantrage eine EU-Subvention. Seitdem hat sie nie mehr von der Sache gehört.

Daß einer in seinem Haus ein Fremdenzimmer vermietet oder auch seine ganze Ferienwohnung, wenn er selbst nicht da ist gibt es auf der ganzen Welt. Von Sylt bis Oberbayern, von Österreichs Alpen bis zu den griechischen Inseln. Nicht auf Mallorca, meinen hier die Politiker auf Wunsch der Hoteliers, und sagen dem, was sie illegalen Tourismus nennen, den Kampf an. ...

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Mallorquin
Castellano
SPRACHENSTREIT ALS GLAUBENSKRIEG
- von Walter Tauber -

Zum Glück ist die Welt gar nicht so undurchdringlich, wie man uns so oft weismachen will: Ein paar simple Grundsätze genügen, um komplizierte Zusammenhänge klar und einfach darzustellen. Zum Beispiel: Es gibt immer mehr Deutsche auf Mallorca. Dadurch fühlen sich die Mallorquiner überfremdet. Also besinnen sie sich plötzlich ihrer Sprache und ihres Volkscharakters. Der Topf droht überzulaufen, also sucht man nach einem Deckel. Wir danken der Deutschen und Schweizerischen Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz für die elementare Aufklärung. Raten ihr aber, sich doch mit Immobilien zu befassen. Denn davon versteht sie etwas (ganz toll ihre Feldzüge gegen Time-Sharing oder zum Schutz von Doñana). Wenn es um emotional so tiefgreifendes geht wie die Sprache, wird biedere Logik gefährlich.

Glaubenskämpfe entstehen, wo kein Konflikt existieren müßte. Zuweilen steckt Politik dahinter, meist eine Bereicherung. Da gibt es Spanien-Kenner, die schon seit Jahrzehnten an die Costa Brava fahren und sich persönlich beleidigt fühlen, weil das Katalanische jetzt überhand nehme. "Laßt doch den Blödsinn", empfehlen sie - gehört von einem sonst gebildeten Kollegen. Und dann gibt es jene Situationen, in denen man nur verguenza ajena verspürt, wenn das Benehmen eines anderen einem peinlich wird. Wie damals, als eine amerikanische Korrespondentin aus Madrid bei der Eröffnung des MACBA, des Museums für zeitgenössische Kunst in Barcelona, lauthals und lächelnd schimpfte, weil der Direktor seine eigene Sprache und die seiner Stadt sprach. Da gibt es Spanien-Kenner, die sich persönlich beleidigt fühlen, weil das Katalanische jetzt überhand nehme.

Sprachenstreit ist an der Oberfläche ein Zwist der Besserwisserei. Zwar ist es normal, wenn die Regierung in Madrid Einspruch erhebt gegen Gesetze der Nationalisten - das ist Machtpolitik -, aber lächerlich wirkt die Empörung jener, die von außen kamen, viel Mühe investierten, um Spanisch zu lernen und sich nun bedroht fühlen von einer angeblich neuen Entwicklung. ...


Francesc Antich, Pere Sampol
Foto: Torello/Diario de Mallorca
BLAUER DUNST
Mallorca in den Medien, die Medien in Mallorca. Roland Füllenbach, BBC-Fan und Bild-Leser, vor seinem Exodus auf die Insel selbst langgedienter Dompteur im deutschen Medienzirkus, kommentiert allwöchentlich, was auch auf den Balearen die Welt im Innersten zusammenhält: unabhängig, überparteilich - jedoch keinesfalls unbestechlich. Dritte Lieferung
POLITIK MIT BART
- Roland Füllenbach über Mallorcas progressives Doppelpack -

Selbst in den eigenen Reihen wird der eine gelegentlich noch mit dem anderen verwechselt . Schließlich sind beide in den Vierzigern, Familienväter mit hübschen Frauen, netten Kindern und aufrechter Gesinnung, mit Brille und Bart. Nie würden sie ihre Stimme zu einem demagogischen fortissimo erheben, niemals nähmen sie Vorteil im Amt - am Bau einer neuen Urbanisation beispielsweise, einer weiteren Landebahn, eines 5km-Tunnels. Und auch den Ballermann 6 kennen sie nur vom Hörensagen. Durch und durch molt honorable, die Herren Antich und Sampol, der neue Ministerpräsidentund sein Stellvertreter. Und, was in Krisenzeiten womöglich noch schwerer wiegt, selbst in Temperament, Optik und Diktion ein Herz und eine Seele. Ein perfektes Double der eine dem anderen. Der Einzug der political correctness auf der Regierungsbank. Nur ihre Mutter könnte sie unterscheiden. ...

Was in Deutschland ins politische Abseits führt - wir erinnern uns: Der Parteivorsitzende Scharping schlug einst die wohlmeinende Imagekorrektur der Zeitschrift MAX aus, und wurde prompt abgewählt -, in Spanien schafft es Vertrauen: Wer hier einen Bart trägt, gilt zunächst 'mal als anständig. Das allzu Glatte hingegen kommt weit weniger an. Und wer - frisch naßrasiert - nur für die Fotografen grinst, wird früher oder später ohnehin aussortiert.

So gesehen, hat der erste sozialistische Ministerpräsident in der Geschichte der Balearen den ersten Hindernisparcour seiner Amtszeit mit Bravour gemeistert. Wie schon sein Amtsvorgänger nicht gerade im Übermaß mit rhetorischen Fähigkeiten gesegnet, gab er seine Interviews vorzugsweise der schreibenden Zunft. Dort lassen sich kleine Hänger von einem tüchtigen Presseattaché leichter ausbessern. Dort fällt ein deftiger S-Fehler nicht allzu sehr ins Gewicht. Und eingedenk der wirtschaftlichen Abhängigkeit, in der sich sein Inselreich z.Z. nun 'mal leider von einem gewissen zentraleuropäischen Volksstamm befindet, gab er sogleich auch den wichtigsten Blättern dieser Region zwei Interviews. Fein säuberlich und instinktsicher aufgeteilt in die Klasse der Multiplikatoren (Spiegel) und die Masse der Pauschalreisenden (BamS), wohl darauf achtend, dass sich der Inhalt allenfalls in der Wortwahl unterscheidet. "Nicht nur gegen die Deutschen, sondern gegen alle Ausländer...", "...in der Vergangenheit gesündigt...", "...nach den EU-Vorschriften keinerlei gesetzliche Grundlage..." - ein Narr, wer in derlei Gesprächen nach einer radikalen politischen Wende sucht!

Und doch ergatterte zumindest das Fußvolk - wohl eher aus Versehen - ein Stückchen von der Wahrheit, die die Balearen im Innersten zusammenhält: "Wir schätzen den Tourismus", ließ uns der aufrechte Señor Antich in der BamS mit entwaffnender Offenheit wissen, "der uns am meisten bringt." Derzeit seien dass vor allem die Radfahrer. Oder die "sanften Touristen", die "sich für Kultur und Umwelt interessieren".

Also, obacht, Ihr Ballermänner und All-Inclusive-Fans! Nicht den Museumsbesuch vergessen und ruhig auch 'mal 'nen Abstecher in die Cuevas del Drach. Und anstatt des selbstgeschmierten bocadillo an der Playa de Palma, lieber 'mal ein frit mallorquin in Incas Celler Ca'n Amer. Und, bitte auf keinen Fall vergessen: das alles möglichst für mindestens 10.000.- Pesetas pro Nase und Tag.

Sonst ergeht's Euch womöglich eines Tages wie den armen Engländern. Und es heißt nur noch: Husch, husch, ab nach Magalluf!


 
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