msm-Logo MALLORCA NEWS Nr. 37

Die Tops und Flops vom 10.9.1999

Propaganda gegen Deutsche
Fotos: msm Archiv
PROPAGANDA GEGEN DEUTSCHE

Seit der Bildung der neuen Balearenregierung probieren Mallorcas Nationalisten aus, wie weit sie mit ihren Parolen gehen können. Bei Kommentatoren der regionalen Presse findet der neue Ton Anklang, den die Präsidentin des Inselrates Consell de Mallorca, María Antònia Munar anschlägt. Während Munar mit Parolen wie "Mallorca den Mallorquinern" landesweit für Schlagzeilen sorgt und gegen eine Invasion Mallorcas polemisiert, macht etwa im Diario de Mallorca der Journalist Planas Sanmartí keinen Hehl aus seinen Ressentiments gegen Deutsche.

Seine Kollegin Pilar Garcés entdeckte darüber hinaus eine Werbetafel des TV-Senders Pro 7, die in einem Mischmasch aus Englisch und Deutsch für die Soap "Mallorca" wirbt. Während man auf Normen pocht, die Werbung auf Mallorquín oder Spanisch vorschreiben, und gegen die Überfremdung wettert, hat die Propaganda unter der Oberfläche ein anderes Ziel: Stimmung machen die Nationalisten vor allem gegen Spanier und Madrider Zentralregierung, die von den Nationalisten als Eindringlinge empfunden werden.  ...

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Nightlife in der Lonja
Foto: msm-Archiv
SPERRSTUNDE UM MITTERNACHT

Der Streit um Palmas Ausgehviertel La Lonja spitzt sich zu: Bürgermeister Joan Fageda legte nicht, wie angekündigt, Einspruch gegen das Urteil des obersten Gerichts der Balearen ein. Der Entscheid gesteht den Bewohnern, die sich vom turbulenten Nachtleben im Viertel um ihre Nachtruhe gebracht sehen, das Recht auf ungestörten Schlaf zu. Spätestens Ende des Jahres muß die Stadt dem Urteil Genüge tun.

Eine der schärfsten Maßnahmen könnte das beliebte Viertel in den Ruin treiben: Die Sperrstunde soll auf Mitternacht vorverlegt werden. Restaurant- und Kneipenbesitzer laufen Sturm gegen diese Bedrohung ihrer Existenz. Sie fordern neue Messungen der Lärmpegel durch unabhängige Stellen. Außerdem sei das ganze ein Ordnungsproblem, das die Stadt in den Griff bekommen müsse. Der Lärm sei auf der Straße und keineswegs in ihren Lokalen, die bereits mit hohen Lärmschutzauflagen belegt wurden. Die Kneipiers wollen alle Rechtsmittel ausschöpfen, um das drohende Aus für das Lonja-Viertel zu verhindern. An den Wochenenden zeigt eine nach Tausenden zählende Schar internationaler Nachtschwärmer, dass sie keineswegs auf La Lonja, einen Teil ihres mediterranen Lebensgefühls, verzichten wollen. ...

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Sir Peter UstinovSir Peter Ustinov auf der Nitchevo
Fotos: msm-Archiv
"INSULANER DENKEN ANDERS"
- Eine Bootspartie mit Sir Peter Ustinov. Von Timo Michael -

Einmal, vor der Küste Korfus, mußte der 1990 von Ihrer Majestät, der Queen, zum Ritter geschlagene Weltbürger sogar um sein Leben bangen. Da geriet er mitsamt seinem Schiff und dessen Besatzung unter Artilleriebeschuß. "Albanien war damals völlig von der Welt abgeschottet", erinnert er sich, "kein Mensch kannte deren Flagge. Und obwohl wir unter dem Banner Monacos segelten, hielt man uns wohl für Albaner." Zehn Tage später berichtete er Fürst Rainer, zu dem er seit Jahrzehnten ein freundschaftliches Verhältnis hat, von diesem Zwischenfall: "Was man so alles unter Ihrer Flagge erlebt, ist schon erstaunlich." Der Fürst zeigte sich gar nicht begeistert. "Seine Lippen wurden dünn und dünner", imitiert ihn der Schauspieler mit einem verschmitzten Lächeln und nippt genüßlich an seinem Whisky on the rocks

Sir Peter Ustinov macht Urlaub. Nicht in Moskau oder Monte Carlo, sondern auf Mallorca. Seit über fünfzig Jahren verbringt er hier zumindest ein paar Wochen im Sommer. Ein Aufenthalt, "stets entspannend und zivilisiert", wie er betont, eben standesgemäß. "Ich hatte 'mal eine kleine Klitsche in Puerto Andratx, noch in der Francozeit erbaut, daher von minderer Qualität." Doch dafür habe das Häuschen an einem fabelhaften Platz gelegen, "mit frischem Wasser aus eigenem Brunnen". Später dann hat er die Finca verkauft. "Ein Haus und ein Boot", so Ustinov, "das ist einfach zuviel Luxus. Und Wasser gibt es hier schließlich genug."

Ustinovs Blick schweift über die Reling des Schiffes, über kristallklares Wasser und den paradiesischen Strand des Cap Formentor. Ende der 70iger Jahre hatten ihn Dreharbeiten zum Agatha Christie-Krimi Evil under the sun (Das Böse unter der Sonne)in den ihm damals noch unbekannten Inselnorden geführt. Fortan ging er in der idyllischen Bucht jeden Sommer vor Anker. Stets mit im Schlepptau: seine 25-Meter-Yacht Nitchevo, ein ebenso imposanter wie betagter Zweimaster aus Holz. Auf ihr verbringt Ustinov jetzt jeden Ferientag. "Sie wurde 1929 gebaut, ist somit noch etwas jünger als ich. Daher kann ich auch bestimmen, wo's lang gehen soll." ...

"Als ich das Boot kaufte, hieß es noch Cristina, eine unangenehme Geschichte", erinnert sich Ustinov. Denn die Onassis-Familie hatte eine große Yacht mit dem gleichen Namen. " Manchmal bekam ich Telegramme, die völlig unverständlich waren. Etwa: 'Kaufen Sie sofort auf dem Markt von Damaskus', unterschrieben von einem gewissen Papadopoulos. Da wußte ich, dass es für Onassis war, aber ich wußte leider nicht, was ich kaufen sollte", sagt er laut lachend und streicht mit der linken Hand durch sein schneeweißes Haar. 

Um nicht weiterhin mit der griechischen Großfamilie verwechselt zu werden, taufte er das Boot später auf den russischen Namen Nitchevo, was übersetzt so viel wie "Nichts" bedeutet. Der Name steht für die Lieblingsbeschäftigung des Entertainers auf Mallorca: "Ich mache hier nichts, absolut nichts, gehe höchstens ein bißchen schwimmen und esse mit großem Appetit. Es ist wie bei einem Zwischenstop an der Tankstelle: Hier hole ich mir die Kraft, die ich im Laufe des Jahres dann andernorts wieder verbrauche". 

Keine neuen Drehbücher, keine Inszenierungen, einfach nur entspannen - Ustinov weiß wovon er spricht. Die Jahre der Arbeit, seine über 50jährige Bühnenpräsenz auf drei Kontinenten, die 60 Filme als Schauspieler und Regisseur, mehr als 10 Romane, 20 Bühnenbilder und unzählige Fernsehauftritte sind nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Vor allem das Gehen fällt ihm jetzt zunehmend schwer. Die wenigen Schritte vom Hotel zum Bootssteg legt der 78jährige zwar noch flott zurück, doch stets gestützt auf einen Gehstock aus schwarzem Holz. "Es gibt nicht mehr die Freiheit wie früher." Sprachs und trägt sein Schicksal mit Humor. ...

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