| Der
Stein des Anstoßes
PROPAGANDA GEGEN DEUTSCHE Palma Kuriervom 10.9., Mallorca News Nr.37 Seit der Bildung der neuen Balearenregierung probieren Mallorcas Nationalisten aus, wie weit sie mit ihren Parolen gehen können. Bei Kommentatoren der regionalen Presse findet der neue Ton Anklang, den die Präsidentin des Inselrates Consell de Mallorca, María Antònia Munar anschlägt. Während Munar mit Parolen wie "Mallorca den Mallorquinern" landesweit für Schlagzeilen sorgt und gegen eine Invasion Mallorcas polemisiert, macht etwa im Diario de Mallorca der Journalist Planas Sanmartí keinen Hehl aus seinen Ressentiments gegen Deutsche. Seine Kollegin Pilar Garcés entdeckte darüber hinaus eine Werbetafel des TV-Senders Pro 7, die in einem Mischmasch aus Englisch und Deutsch für die Soap "Mallorca" wirbt. Während man auf Normen pocht, die Werbung auf Mallorquín oder Spanisch vorschreiben, und gegen die Überfremdung wettert, hat die Propaganda unter der Oberfläche ein anderes Ziel: Stimmung machen die Nationalisten vor allem gegen Spanier und Madrider Zentralregierung, die von den Nationalisten als Eindringlinge empfunden werden. ... |
| Die
Replik in der mallorquinischen Lokalpresse
RAYUELA (KINDERSPIEL) Planas i Sanmarti im Diario de Mallorca vom 16.9. Die Nazis würdigen und ehren mich Seite an Seite mit Ihrer Durchlaucht und Pilar GarcésAuch wenn ich weder im noch auf dem Internet surfe, hat man mir gerade eine Kopie einiger deutschsprachiger Seiten 'reingereicht, die sich Mallorca News Nr.37Propaganda gengen Deutsche (sic!) nennen. In diesem Text, vollständig auf Deutsch, so sagt man mir, werde ich wegen etwas, das ich nur zu gut verstehe, attackiert: Ressentiments gegen Deutsche.Es stellt sich jedoch heraus, daß diese Angreifer, die auch Ihre Durchlaucht [die Inselratspräsidenten M.A. Munar; Anm. d.Red] und meine Kollegin Pilar Garcés attackieren, keinen Grund dafür angeben, weshalb sie meinen Namen auf Schlinders Liste (sic!) gesetzt haben. Da ich keinerlei Ressentiments gegen Deutsche oder Deutschland habe, ich dieses Land sogar sehr mag und ein Bewunderer vieler seiner Bewohner bin und auch Freundschaften mit in Mallorca ansässigen Deutschen pflege, bleibt mir nichts anderes übrig, als daraus zu schließen, dass diejenigen, die mich angreifen die Nazis sind, gegen die ich in der Tat jede Menge einzuwenden habe. Die elektronische Adresse dieser Sekte (sic!) lautet http://mallorcaonline.com/news.htm. Wenn die irgendetwas von mir wollen, können sie mich ja anrufen, denn das Internet ist schließlich dazu da, um seriöse Dinge abzufragen und nicht um Pornographie wie Mallorca News zu sehen. Danke schoen! |
![]() Foto: msm-Archiv |
Der
Hintergrund
STIMMUNGSMACHE GEGEN DEUTSCHE WIRD ZUR PROPAGANDA Thomas Hirsch, Chefredakteur des Palma Kurier, im Kommentar vom 10.9.99 Kommentatoren und nationalistische Politiker versuchen, mit Neidgefühlen ihre Klientel zufriedenzustellen. "Mallorca den Mallorquinern", "eine Invasion bedrückt die Mallorquiner": Es sind immer dieselben Sprüche, Wendungen und Parolen, mit denen Presse und Politik latente Fremdenfeindlichkeit schüren. Und man erkennt die Protagonisten solcher Strategien überall auf der Welt daran, dass jede Zielsetzung, jeder Gedanke mit einem Nachsatz versehen ist, der alle anderen ausgrenzt und eine bestimmte Bevölkerungsgruppe in den Vordergrund stellt. Für Jean Mari Le Pen sind es die Franzosen, für Franz Schönhuber die Deutschen - gemäßgte Politiker greifen den Diskurs später auf, um am Rand Stimmen für die Mitte zu gewinnen. María Antónia Munar versucht sich in dieser Disziplin derzeit mit den Mallorquinern. Die Vorsitzende der nationalistischen UM und Präsidentin des InselratsConsell de Mallorca überläßt es jedoch geschickt Kommentatoren der Presse, diejenigen beim Namen zu nennen, die ausgegrenzt werden sollen. Denn wie in jedem Land und in jeder Region, in der Nationalisten von sich reden machen, Regierungsverantwortung übernehmen oder gar die Macht ergreifen, bleibt heutzutage eine heikle Frage gezielt unbeantwortet: Wer ist eigentlich Mallorquiner, wer Baske, wer Spanier, wer Deutscher? Denn jede Definition, auf die sich ein unvorsichtiger Nationalist festlegt, bedient sich automatisch des faschistischen Gedankengutes, mit dem in Deutschland einst sogenannte "Arier" von sogenannten "untergeordneten Rassen" unterschieden wurden. Solche Schemata kommen heutzutage nicht gut an, da die Gesellschaft glücklicherweise hellhörig reagiert. Doch mit dem Neid auf Bevölkerungsgruppen läßt sich in Deutschland wie Frankreich oder Spanien und seinen Regionen bis heute Staat machen. Munar beherrscht dabei die Kunst, ihre Andeutungen vage genug zu halten, so dass sich niemand allzu direkt angegriffen fühlt, Neidgefühle jedoch bestens bedient werden. Nicht etwa deutsche, britische oder Residenten anderer Nationalitäten werden beharkt. Am stärksten bekommen die Spanier den Ausgrenzungswillen der Politikerin zu spüren: Residenten und Zuzügler vom spanischen Festland, so ein Zitat aus dem Interview des Palma Kurier (Nr. 4) mit Munar, machen diesen feinen Unterscheidungen zufolge immerhin "50 Prozent der Bevölkerung der Inseln aus", die es zu integrieren gilt. Bleibt abzuwarten, welchen Nutzen Mallorcas Nationalisten aus einer Studie der Universität der Balearen ziehen, derzufolge der Genbestand der Mallorquiner Verbindungen zur Bevölkerung Kataloniens aufweist, während die Ibizenkos eher phönizischen Siedlern aus Nordafrika zuzuordnen seien. Für ein lautes "Mallorca den Mallorquinern" und ein leiseres "... und Ibizenkos bitte nach Ibiza" reicht dieser Befund einem nationalistisch denkenden Menschen allemal. Kein Wunder, dass derzeit die Vertreter
der abgewählten Volkspartei PP am hellhörigsten gegen Munar aufbegehren.
Denn Munars Worte suchen die Konfrontation mit jener zentralspanischen
Denkweise, die Spaniens Regionen als bunte Bausteine eines großen,
einigen Vaterlandes sehen. Die PP muß aufpassen, dass der pluralistische
Anspruch des neuen Spanien nicht auf der Strecke bleibt "und die mit Unterstützung
von UM regierende, sozialistische PSOE erst recht.
Interessante Launen sind dies, die Planas Sanmartí bei den Deutschen entdeckt hat: Einige der Usurpatoren haben Leute eingestellt, die "meist aus unterentwickelten Regionen wie Marokko und Vietnam importiert wurden. Diese Menschen", schreibt der Autor weiter, "arbeiten fast wie Interne auf riesigen Fincas und verlassen diese nur selten, obwohl gelegentlich der eine oder andere, Marokkaner oder Vietnamese, in einigen der umliegenden Dörfer zu sehen ist." Was will uns der Autor damit sagen? Er sagt nichts, deutet nur an und fügt natürlich nicht hinzu, daß in Spanien und auf Mallorca jede wohlhabende Familie Hausangestellte en régimen interno hat, und zwar heute nur noch in Ausnahmefällen Mallorquiner oder Spanier. In der Regel sind es auch hier Philippiner oder Südamerikaner, die man bisweilen auch in den nahegelegenen Ortschaften sieht. An der Playa de Palma zieht der Autor gegen "biertrinkende gilipollas (dumme Säcke) aus Deutschland" ins Feld und fragt, was wohl die Deutschen denken würden, würde man in Hamburg plötzlich pa amb oli in cellers Mallorquins verkaufen. Klare Antwort: Sie wären ebenso willkommen wie Türken, Griechen, Italiener und Spanier, die seit Jahrzehnten mit Kebab, Gyros, Pizza und Tapas die Langeweile aus der deutschen Gesellschaft und von deutschen Speisekarten vertreiben. Leuten zum Trotz, die seit Jahren "Deutschland den Deutschen" und "Türken raus" rufen. Mehr zum Thema im Mallorca News-Archiv. Mallorca
Online enthält sich an dieser Stelle jedes Kommentars, freut sich
aber über Ihre
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