| RADLERPARADIES
MALLORCA
Fahrradfahrer, aber auch Autofahrer können endlich aufatmen. Bis Ende der laufenden Legislaturperiode plant die Regierung den Bau eines Fahrradrundkurses auf den Balearen mit einer Länge von über 1.300 Kilometern. Nach Angaben des Umweltministeriums zielt das Projekt zum einen auf die Entlastung der bestehenden und völlig überlasteten Verkehrswege als auch auf "den Ausbau eines ökologisch verträglichen Tourismus, der Landschaft und Natur in besonderem Maße schont." Der Leiter der zuständigen Behörde für Verkehrs-und Umwelterziehung, Boro Miralles, sprach in diesem Zusammenhang vom "ambitiösesten Projekt in ganz Europa." Für Miralles, der selbst jeden Morgen auf dem Drahtesel zur Arbeit fährt, bedeutet der geplante "Verkehrsweg für nicht motorisierte Fahrzeuge" die einzige Möglichkeit, die hohe Zahl von Rad-Unfällen mit oft tödlichem Ausgang zu vermeiden. Aktuellstes Beispiel: Am vergangenen 12. Oktober starben zwei Fahrradfahrer, die bei der Abfahrt von Formentor im Norden Mallorcas von einem PKW überrollt wurden. In den letzten fünf Jahren kamen insgesamt 600 Radler auf spanischen Straßen ums Leben, weitere 10.000 wurden zum Teil schwer verletzt. Auch die Verkehrsbehörde der Balearen registrierte im vergangenen Jahr 147 Fahrradunfälle, vier davon mit tödlichem Ausgang. "Die Zahl von Rad-Urlaubern hat sich in den letzten drei Jahren verdoppelt", kommentiert Vicenc Tur, Leiter des balearischen Unternehmerverbandes, die Situation. An einer angemessenen Infrastruktur würde es, so Tur, jedoch immer noch fehlen. Seit Anfang der 90er Jahre wurde der Fahrradtourismus auf den Balearen im In- und Ausland propagiert. Sowohl Freizeitfahrer als auch Profi-Teams aus allen Teilen Europas ließen nicht lange auf sich warten. Deutschlands Rennradidol Jan Ullrich war von der Vielfalt der Strecken sogar so begeistert, dass er beschloß, jedes Jahr mit dem Telekom-Team auf Mallorca zu trainieren. Trotzdem warnte der zweimalige Tour-de-France-Sieger bereits vor Jahren vor den schlechten Straßenverhältnissen auf den Balearen: "Ich bin auf Mallorca schon öfter gestürzt. Vor allem die vielbefahrenen Landstraßen, die bei Nässe zu Rutschbahnen werden, sind unberechenbar und gefährlich." Allein 1998 kamen außer Ullrich noch 60.000 weitere Fahrradfahrernach Mallorca, die meisten von ihnen Deutsche, Schweizer und Österreicher. Sie müssen sich zusammen mit 1.700 Mitgliedern des balearischen Fahrradverbandes und weiteren 4.000 Freizeitfahrern die teilweise engen und unsicheren Straßen der Insel teilen. ... Mehr zum Thema im Mallorca News-Archiv. |
| WOLKEN
ÜBER WERBEHIMMEL
El Kräuter ist der Slogan der traditionellen Likörfabrik El Tunel für seinen hierbas. Mit "Die natürliche Alternative" wirbt Menorca am Flughafen der großen Schwester um mallorcamüde Urlauber. Mit "Die Soap zur Insel" lädt der TV-Sender Pro 7 ein, seine hausgemachte Mallorca-Serie zu sehen. LTU und Air Berlin wünschen auf Reklametafeln schöne Ferien und heißen die Neuankömmlinge willkommen. Das alles auf Deutsch, bisweilen hier auf Deutsch und dort auf Spanisch, und manchmal auch auf Deutsch und Spanisch zugleich, wie im Fall der Chartergesellschaft Condor. Die Tochter der Lufthansa hat mit diesem deutsch-spanischen Werbekonzept vielleicht unbewußt einen Glücksgriff getan, der ihr hohe Bußgelder ersparen kann. Denn sich nicht an die Sprachbestimmungen im Verbraucherstatut der Balearen zu halten, kann teuer werden. Zwischen Juli 1997 und vergangenen September hat das regionale Ministerium für Gesundheit und Konsum bereits Bußgeldverfahren gegen Dienstleister und Einzelhändler eingeleitet, die sich auf insgesamt 18,03 Millionen Pts., rund 220.000 Mark, summieren. Die beanstandete Ordnungswidrigkeit: Sprachverstöße. Es wurden Waren oder Dienstleistungen angeboten, nicht jedoch in einer der offiziellen Landessprachen der Region. Pullover oder Kosmetika, die Leuchtreklame über dem Handwerksbetrieb oder das Etikett auf der Packung mit Wurst aus Deutschland wurden lediglich auf Deutsch, in einigen Fällen auch auf Englisch angepriesen, erklärt und erläutert. Produktinformation muß in der Europäischen Union generell auch in der Landessprache abgefaßt sein, seit im Rahmen von Schengener Abkommen und Maastrichter Verträgen die Binnengrenzen fielen. Die spanische Regierung hatte die EU-Direktiven schon 1992 in nationales Recht verwandelt, die Balearen zogen im März 1998 nach. Wichtigste Ergänzung zum landesweiten Recht: Mallorquín und catalán dürfen das spanische castellano auf Wäscheetikett, Türschild, Speisekarte oder Sardinenbüchse ersetzen. Wer sich daran nicht hält, kann in leichten Fällen mit bis zu 500.000 Pts. bestraft werden, bei schweren Ordnungswidrigkeiten drohen bis zu 2,5 Mio., bei faltas muy graves bis zu 100 Mio. Pts. Bußgeld. ... Mehr zum Thema im Mallorca News-Archiv. |
| WEITBLICK
STATT INTEGRATION
- Plädoyer für eine gehörige Portion Romantizismus auf Mallorca . Von Franz Thomas - Journalisten wirft man immer wieder vor, sie würden im Tagesgeschäft den Blick für Visionen verlieren, und dass sie sich genau darin von Schriftstellern, Politikern und Künstlern unterscheiden würden. Da ist ein Körnchen Wahrheit dran. Deshalb schickt der Palma Kurier seine Mitarbeiter jetzt regelmäßig nach Valldemossa, in die Zelle Nr 2. Genau in der nämlich, so erzählt mansich unter Mallorquinern, hat ein polnischer Komponist nicht nur herzergreifendePräludien gedichtet, er soll hier auch ein paar glückliche Tage verbracht haben. "Den Mallorquinern zum Trotz", erklärte einer von ihnen einem unserer Journalisten hinter vorgehaltener Hand. Eine Mallorquinerin, mehr darf aus Gründen wie Sorgfaltspflicht und Wahrung der Identität von Informanten nicht verraten werden. Unser Mitarbeiter jedenfalls brachte das als verbrieftes Zitat am Montag mit in die Redaktion und wurde daraufhin ans Cabo Formentor versetzt. Damit er sich dort den nötigen Weitblick aneignet. Hämisch hatte er noch angemerkt, daß Chopin wenige Monate nach den paar glücklichen Tagen in Zelle 2 F. verstorben sei. In Paris allerdings, so dass Valldemossa jetzt am 17. Oktober auf den Besuch des polnischen und des französischen Staatschefs leider verzichten und sich mit der üblichen Prozession deutscher Ausflügler begnügen mußte. Obwohl der Winter auf Mallorca tat, was in seiner Macht stand, um die angeschlagene Gesundheit des romantischen Romantikers dem mallorquinischen Fremdenverkehr nutzbar zu machen. Blieb von all dem Hoffen nur die Preludie Nr. 15, die bekanntlich von tropfendem Wasser handelt. Ein Mangel, der in Zelle 2 heute längst behoben ist. - Das Thema also: Weitblick und Integration. Und die Frage, ob sie oder ob sie sich nicht gegenseitig ausschließen. Chopin haßte bekanntlich die Briten, und folgerichtig holte er sich bei einer Konzertreise durch England und Schottland den Tod, den er auf Mallorca dann noch einen Winter lang hinauszögerte und auf den darauffolgenden Herbst und Paris verschob. Verständlich bei dem drohenden bürokratischen Aufwand: Geboren? Zelazowa-Wola! Grund des Aufenthalts? Romanze mit Schriftstellerin, dem Gesundheitszustand angemessenes Klima und ein einer romantischen Geniekarriere angemessener Tod samt Grab zwischen Zypressen. Wirtschaftlich abhängig von? Spontanen Eingebungen und den Launen eines kreativen Gemüts. Nationalität? Polnisch, französisch und mallorquinisch, wenns genehm ist. Es war damals nicht genehm, wie unsere Informantin versichert, von der wir nur so viel verraten können, daß sie weder als Biografin Chopins noch als Heimatkundlerin Mallorcas je besondere Ambitionen entwickelt hätte. Um Fehlinterpretationen auszuschließen: es handelt sich auch nicht um George Sand, obwohl sozusagen die Quintessenz zu des Romantikers Inseldasein wie aus einem Munde kommt: Poor Chopin!. Ebensowenig wie unsere Journalisten nämlich zog es Frédéric und George damals nicht aus freien Stücken in das "alte, abgeschiedene und fast verfallene Karthäuserkloster". Lesen wir mal aus einem der Briefe dieses bis in die Haarwurzeln Romantikers: "Ich bin in Palma, zwischen Palmen, Zedern, Kakteen, Oliven- und Orangenbäumen, Zitronen" von Mallorquinern und Deutschen keine Spur. Oder doch? "Ich lebe vielleicht am schönsten Ort der Welt: Ich habe das Meer, die Berge, die Palmen, einen alten teutonischen Friedhof, die Ruinen einer Moschee, tausendjährige Olivenhaine." Soviel zum Weitblick aus Karthäuserzelle 2 F. Frisch renoviert inzwischen und viel weniger abgelegen. Das mit der Integration, Ungeduld höre, will wie alles Gut Ding Weile haben. Das leisten nicht Artikel und nicht Politik. Sowas leistet die Geschichte. Mehr zum Thema im Mallorca News-Archiv. |
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