msm-Logo MALLORCA NEWS Nr. 42

Die Tops und Flops vom 5.11.1999

Unterwelt
Foto: msm-Archiv
UNTERWELT AN DER PLAYA

Überfälle, Raub auf offener Straße und Einbrüche: An der Vergnügungsmeile der Playa de Palma siedelt sich laut inoffiziellen Angaben aus Polizeikreisen eine Unterwelt bisher nicht gekannten Ausmaßes an. Etwa 2.000 Einwanderer ohne gültige Papiere sollen rund um Mallorcas Zentren des Massentourismus leben. Fast 600 Straftäter hat allein die lokale Polizei seit Januar zwischen Cala Mayor und Playa de Palma verhaftet, darunter 100 Spanier.

Laut den Angaben machen Banden wie die andalusische Los Malagueños neben der Playa de Palma auch Flughafen und Innenstadt unsicher. Hatten die Verbrecher bislang in der Hauptsaison die Urlauber zum Ziel, werde jetzt auch der Winter zur Saison.

Der Kampf gegen organisierte Banden fällt eigentlich nicht unter die Zuständigkeit der lokalen, sondern der nationalen Polizei. "Die lassen sich hier doch sowieso kaum blicken", beschwert sich eine Anwohnerin, "und wenn, dann nur im Vorbeifahren, im Streifenwagen." Offizielle Stellen sehen auf Anfrage keinen Grund zur Sorge: In Palma sei kein Anstieg der Kriminalität zu verzeichnen, heißt es ...

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Punta Prima
Foto: msm-Archiv
FÜNF STERNE FÜR CALVIÁ

Son Severin wird das neue 5-Sterne-Hotel in Punta Prima heißen, in Anlehnung an den Namen des Besitzers. Dem deutschen Unternehmen Severin-Elektrogeräte gehören bereits mehrere Hotels der Luxusklasse in verschiedenen Ländern Europas, auf den Balearen ist Son Severin die erste Investition. Ein Projekt, für das viereinhalb Milliarden Pesetas veranschlagt sind.

Auf einer Fläche von rund 25.000 Quadratmetern direkt am Meer sieht das Projekt 94 hochwertige Apartments und 12 Luxus-Suites mit Blick auf die Malgrat-Inseln vor. Für die künftigen Gäste wird es großzügig gestaltete Sport- und Freizeitanlagen geben, und auch die drei Golfplätze von Santa Ponsa befinden sich in unmittelbarer Nähe. Die Betreiberfirma des Son Severin, die deutsche Gruppe Althoff Privathotels, plant außerdem eine Gastronomie der Oberklasse. Mit all diesen Kriterien fügt sich das Edelprojekt in die Strategie der Gemeinde Calvià, nur noch Lizenzen für Hotels der Oberklasse zu erteilen. Anstatt auf Masse im Tourismus zu setzen, zielt Calvià mehr auf Gäste des sogenannten Qualitätstourismus. Für diese Klientel gibt es zur Zeit kaum Möglichkeiten, einen Urlaub gehobener Klasse in Calvià zu genießen. Das bisher einzige Hotel mit dem Prädikat 5-Sterne-Service ist das Meliá de Mar in Illetes. Weitere drei Luxushotels in Bendinat, Punta Negra und El Toro befinden sich noch im Bau.

Nachdem Ende Oktober die feierliche Grundsteinlegung für Son Severin stattfand, hagelt es nun Kritik von der Umweltschutzvereinigung GOB. In einer Pressemitteilung wird der Bau des Hotels auf einem der letzten bisher unbebauten Küstenstreifen Calviàs als "Barbarei" bezeichnet. Nach der Politik der neuen Regierung sollte es darum gehen, nicht noch mehr Land für den Tourismus zu verbrauchen, sondern schon existierende Touristikzentren zu verbessern. Nach Auffassung der Umweltschutzbehörde widerspricht die Genehmigung für Son Severin damit selbst dem Generalplan der Gemeinde Calvià für mehr Qualität im Tourismus.  ...

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SyltMallorca
Fotos: DER SPIEGEL/msm-Archiv
SYLTER VERHÄLTNISSE
- Kampen und Calvià kommen sich näher. Von Andreas John und Peter Neumann -

Weniger Wohnraum bedeutet weniger Menschen, und weniger Menschen machen weniger Probleme: Nach dieser einfachen Gleichung gehen die neue Balearenregierung und der Inselrat Mallorcas bei ihrer Gesetzgebung vor. Eilig, um nicht zu sagen voreilig, wurden die erst vor wenigen Monaten von Jaume Matas verabschiedeten Rahmenrichtlinien zur Raumordnung reformiert. Sämtliche Ausnahmen, die die Konservativen noch eingeräumt hatten, wurden dabei zurückgenommen.

Jetzt gilt: absolutes Bauverbot innerhalb des 500-Meter-Schutzstreifens zur Küste, Mindestfläche von 14.000 Quadratmetern für das Bauen auf dem Land, Verbot von Siedlungen, die nicht an bebaute Gemeindegebiete grenzen. Auf die verschärfte Gesetzeslage stützt sich das inzwischen ebenfalls Gesetz gewordene Moratorium des Inselrats. Für 76 geplante Urbanisationen bedeutet dies das endgültige Aus. Die Konsequenz? Mit den Maßnahmen wurde die Obergrenze bei der Zahl der potentiellen Inselbewohner von vier Millionen Menschen auf die Hälfte reduziert. Soll darin das Ziel der Regierung bestehen? Bei derzeit gut 800.000 Einwohnern Mallorcas könnte sich die Zahl somit immer noch mehr als verdoppeln. Für den Moment hat die Regierung des Fortschrittspakts vor allem eines erreicht: Der Bauboom im ländlichen Bereich wurde durch die angekündigte Verschärfung noch angeheizt. Um dem wiederum entgegenzuwirken, sucht die Regierung ihr Heil jetzt in einem typisch südländischen Mittel: das Auftürmen bürokratischer Barrieren. Deren Spektrum reicht von legalen Maßnahmen bis hin zu fragwürdigen Schikanen für Bauwillige. Den Vogel schießt der Inselrat ab, der sich auf die von der neuen Regierung verursachte, unklare Rechtslage beruft, um Hunderte von Baugesuchen für weitere Monate auf die lange Bank zu schieben. Die Rechtsunsicherheit für Bauherren und Investoren ist groß, und mit ihrer Abschreckungsstrategie verzeichnet die Regierung erste Erfolge. Die Nachfrage nach Landimmobilien ist spürbar gesunken. Großinvestoren wie der Amerikaner George Soros meiden die Balearen inzwischen als ein zu unsicheres Pflaster.

Die neuen Gesetze belasten den Geldbeutel nicht nur zugereister, sondern auch einheimischer Bauwilliger: Die Grundstückspreise für Baugrund in Calvià, Artà oder Andratxschnellen in die Höhe. Dabei wird beileibe nicht weniger gebaut, es kommt nur viel teurer. Erinnerungen an Deutschlands Millionärsinsel Sylt werden wach. In Kampen bezahlen stolze Ferrari-Besitzer bereits über 20.000 Mark pro Quadratmeter. Junge wie alte Friesen verlassen ihre Heimat, weil sie sich nicht einmal mehr den Tee unter ihren amtlich vorgeschriebenen Reet-Dächern leisten können. Mallorca scheint auf dem gleichen Weg zu sein: Wer auf den Balearen leben möchte, muß immer tiefer in die Tasche greifen.

Auch Palma spürt den Druck. Weniger betuchte Mallorquiner und Ausländer fanden früher in der Hauptstadt noch preiswerten Wohnraum. Doch auch hier galoppieren die Preise. Steuergeschenke für junge Leute sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Gerade für sie wird es immer schwieriger, ein eigenes Dach über dem Kopf zu haben. Vor allem die Altstadt, bei Ausländern hoch im Kurs, macht der Renovierungsboom zum Luxus-Viertel. In Palma wird augenblicklich mehr an-, um- und neugebaut denn je. Die neuen Gesetze der Regierung Antich brechen weder den Bauboom noch den Zuzug auf die Inseln. Doch sie drehen kräftig an der Preisschraube. Kampen und Calvià sind sich ein gutes Stück nähergerückt.

Ein schwacher Trost für alle, denen Mallorca langsam zu teuer wird: Auch deutsche Normalverdiener besitzen keine Reetdach-Villen auf Sylt! ...

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 Mallorca News Nr. 41 vom 22.10.99
Radlerparadies Mallorca, Neue Werberegeln, Chopin auf Mallorca
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