msm-Logo MALLORCA NEWS Nr. 44 SPECIAL

Die Tops und Flops vom 3.12.1999

Die Glueckssucher beim Start...
Der Start - strahlende Gesichter...
...und am Ende.
...und trübe Mienen - das Ende
 
 
 
 
 

Judith RumpfKlaus ZmorekAlfonso LosaLouise Wischermann
Zum Aufheben und Sammeln: Autogrammkarten von den Serien-Helden/innen (im Uhrzeigersinn) Judith Rumpf, Klaus Zmorek, Alfonso Losa und Louise Wischermann

Alle Fotos: Pro7

FLUCHT AUS DEM PARADIES
- Das Ende der Pro7-Soap "Mallorca". Von Jans-Jürgen Teske -

Dumm gelaufen. Der Privatsender ProSieben hat seine Daily-Soap "Mallorca - die Suche nach dem Paradies" aufgegeben. Für über 150 auf Mallorca arbeitende Angestellte und Filmschaffende war der 1. Advent ein schwarzer Sonntag. Sie bekamen völlig unvorbereitet die Kündigung serviert.

Noch am Freitag, dem 26. November, waren zehn neue Folgen der von ProSieben georderten Daily-Soap Mallorca - die Suche nach dem Paradies abgenommen worden. Wie immer zu diesen Anlässen waren die Entscheidungsträger des Senders und Vertreter der Firmenspitze der herstellenden Produktionsfirma Grundy UFA TV Productions GmbH bei ihrer spanischen Unternehmenstochter Grundy UFA Baleares Producciones de Televisión S.L. in Palma vor Ort. Wie immer verschloß man auch diesmal die Augen vor den wahren Schwächen der Serie und feierte, auch wie immer, den neuen 40sten und somit gelungenen Vorzeigeblock.

Zeitgleich lief in der Münchener Zentrale des deutschen Privatsenders ProSieben das Gegenprogramm: Dr. Ludwig Bauer, für das Geschäftsfeld Fernsehen zuständiges Vorstandsmitglied der ProSieben Media AG, und ProSieben-Programmdirektor Borris Brandt entschieden kraft ihrer medialen Macht, die Suche nach dem Paradies aufzugeben. "Mallorca wurde vom Publikum nicht so akzeptiert, wie wir uns das erhofft haben", so der O-Ton von Ludwig Bauer. Die erste Staffel der täglichen Serie, die am 26. April auf Sendung ging, erreichte durchschnittlich einen Marktanteil von 3,4 Prozent bei allen Zuschauern. Bei den 14 bis 49jährigen betrug der Marktanteil im Durchschnitt 6,7 Prozent. Trotz steigender Zuschauerquoten in den letzten sechs Wochen blieb Mallorca damit weit unter dem Sendedurchschnitt, lautet der lakonische Kommentar der Pressestelle des Senders.

Wenn der Marktanteil der für die werbetreibende Wirtschaft so interessanten und angepeilten Quote des kaufkräftigen Publikums fast um das Doppelte stieg, fragt man sich nach dem wahren Grund für so wenig Durchhaltevermögen. Und damit solche Fragen erst gar nicht öffentlich gestellt werden, setzt der Sender in seiner Presseerklärung hinzu: "Dieses Urteil der Zuschauer müssen wir akzeptieren."

Für die von dieser Entscheidung betroffenen Mitarbeiter der Produktion war es ein Schock: Nicht vom Sender oder der Firmenführung erfuhren sie vom Aus der Serie, sondern von Angehörigen und Freunden, die durch Bild am Sonntag kurzinformiert, auf Mallorca anriefen. 

Stefanie-Darstellerin Yvonne Burbach glaubte sich zunächst von ihrem Anrufer auf den Arm genommen und rief ihrerseits gleich die Kollegen Schauspieler an. Alle glaubten wie sie an eine Ente der Bild. Doch die Unruhe war gesät und im Kollektiv wurde der Supervising Producer in die Mangel genommen. Supervising Producer Enrique Sánchez Lansch reagierte wie gewöhnlich, wiegelte ab und gab vor, nichts zu wissen. Erst der Anruf bei Brandt in München brachte Klarheit: "Das mit der Zeitung ist natürlich dumm gelaufen, aber wenn es schon mal drin steht, bleiben wir auch dabei."

Damit war die Saat zu hektischer Aktivität für Produktionsleiterin Claudia Günther gesät. Über 150 mal mußte sie per Telefon die ungute Nachricht verbreiten. Mehr als 150 Mitarbeiter der Grundy UFA Baleares bekamen auf diesem Weg ihre Kündigung ausgesprochen. Es war Sonntagnachmittag, der 1. Advent.

Die Telefongesellschaften müssen an diesem Tag ein ungewöhnlich gutes Geschäft gemacht haben. Denn jetzt tauschten sich die Kollegen untereinander aus. Enttäuschung, ja manchmal auch Wut machte sich breit. Und immer wieder die Frage: Warum haben die uns das nicht am Freitag persönlich gesagt? Und wer hätte es den Betroffenen besser sagen können als Rainer Wemcken selbst, als er Freitag in seiner Eigenschaft als Produzent und Mitglied der Geschäftsleitung der Grundy UFA, anläßlich der Abnahmen hier auf der Insel war. Hat er aber nicht. Für die Gekündigten ist es eine Frage des Stils. Aber den scheint in der ganzen Branche niemand mehr zu pflegen. Es ist zynisch geworden im Medienbusiness. Bei einem Anruf der Redaktion im Story-Department schlug am Montag der Zynismus zurück. Es meldete sich nicht die Grundy UFA Baleares, sondern eine frustrierte Stimme mit Sargnagel-Produktion. ...

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