msm-Logo MALLORCA NEWS Nr. 54

Die Tops und Flops vom 26.5.2000

Ecotasa - Weg zum Reichtum?
...Weg zum Wasser
Fotos: MZ, Welt online
DIE GENTLEMEN BITTEN ZUR KASSE

So weit die schlechte Nachricht. Nun die gute: Es kann noch länger dauern! Nachdem Ministerpräsident Antich seine Pläne zur Einführung einer ecotasa (Ökosteuer) offengelegt hat, steht jetzt fest: In diesem Jahr und - voraussichtlich - auch im Jahre 2.001 wird Mallorca noch ohne die zusätzliche Finanzspritze seine Umwelt in Ordnung halten müssen. Da ein Teil der Winterkataloge bereits gedruckt ist, zumindest aber die Preisabsprachen mit den Reiseveranstaltern weit fortgeschritten sind, kommt die Einführung für die kommende Saison nicht mehr in Frage.

Auch die ersten Zahlen sickerten durch: Im 3-Sterne-Durschschnittshotel soll die Steuer 1 Euro pro Tag und Person betragen, im Luxushaus bis zu zwei. In einfacheren Etablissements könnten 0,5 Euro reichen. Geschätzte jährliche Mehreinnahmen: zwischen 10.000 Mio. und 15.000 Mio. Pts., also zwischen 120 und 180 Mio. Mark. Fest steht auch: Auf den Balearen ansässige Residenten, die z.B. ein paar Tage in einem Hotel in Ibiza oder Menorca ausspannen wollen, sind gleichermaßen von der neuen Steuer betroffen. Nur so läßt sich der EU-Einspruch wg. fehlender Gleichbehandlung von Einwohnern und Gästen abwenden.

Schwieriger wird's mit den - stetig zunehmenden - nicht registrierten Bettenvermietern und Vermittlern von Ferienwohnungen, die sich schon jetzt erfolgreich um alle Abgaben drücken. Hier soll eine Ausweitung der Kontrollen weiteren Missbrauch eindämmen. Der mächtige Hoteldachverband der Balearen hat seine Zustimmung für die Pläne zunächst verweigert. Wer dann kassieren soll, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt ungewiß. Die Alternativlösung einer zweiten Flughafensteuer, die gleich mit dem Ticketpreis einbehalten wird, ist jedenfalls - vorerst - vom Tisch.

Immerhin: Auch ohne die zusätzliche Finanzspritze geht die Regierung endlich einige der größten Umweltprobleme Mallorcas an: Die Erweiterungsarbeiten an der Entsalzungsanlage in Palma sind genehmigt (vorauss. Kosten: ca. 1.000 Mio. Pts., rund 12 Mio. Mark). Eine neue Leitung soll bereits bis Mitte August fertiggestellt werden und pro Tag zusätzlich 7.000 m3 Meerwasser in Trinkwasser umwandeln. Und auch die Hilfen für die Landwirtschaft werden verstärkt. Mit zusätzlich 1.700 Mio. Pts., ca. 20 Mio. Mark, sollen vor allem die Dürreschäden der letzten Monate gelindert werden. Mit dem Hilfsprogramm hofft die Inselregierung, die aufgebrachten Landwirte zu besänftigen,
die weiterhin auf ihrer Forderung in Höhe von ca. 60 Mio. Mark Soforthilfe bestehen...

Mehr zum Thema im Mallorca News-Archiv.


Claudia und Cap Andrixtol

Andrixtol-Button
Fotos: Bild Online,
Infografik: Diario de Mallorca
WAS NUN, CLAUDIA?

Eigentlich wollte sie ja nur ihre Ruhe haben..., aber genau deshalb hat Top-Model Claudia Schiffer jetzt großen Ärger in ihrer Wahlheimat: Zwei Ratsherren aus Andratx und Calvia erstatteten Strafanzeige gegen Claudia. Es geht ausgerechnet um einen Maschendrahtzaun!

Rund um ihre Privathalbinsel (403 400 qm) im Naturschutzgebiet von Cap Andrixtol (im Südwesten der Insel) will Claudia Schiffer einen Zaun errichten. "Der Durchgang von Camp de Mar zum 420 Jahre alten Turm von Cap Andrixtol wäre dann unmöglich", wettern die Lokalpolitiker Josip Bestard und Isidre Canellas.

Die Proteste laufen schon lange, nun machten die Mallorquiner Ernst und zeigten Claudia Schiffer an! Wanderer müssen auch weiterhin passieren können. Doch genau das will Claudia Schiffer ja verhindern! Niemand soll in die Nähe ihrer geplanten Villa über der felsigen Bucht von Camp de Mar kommen können. Keine Fans, keine Fotografen und keine Touristen.

Die spanischen Politiker fürchten um ihre Touristenattraktion: "Der Wanderweg zum Turm wird von vielen Reiseführern empfohlen und muss für alle offen bleiben." Der Streit um den Zaun? Jetzt soll Claudia Schiffer den Bau endgültig abblasen. Sonst werden vielleicht auch auf Mallorca bald 'Maschendraht-Partys' wie bei Regina Zindler in Auerbach gefeiert. Und dann ist's mit der Ruhe endgültig vorbei...

Mehr zum Thema im Mallorca News-Archiv in Bild-Online und im Diario de Mallorca.


Schloendorff in Madrid
spanien.com ya.com
Foto: spanien.com
DEUTSCHES FILMFEST IN MADRID

Zur Vorführung seines neuen Films Die Stille nach dem Schuß im  Rahmen des II. Deutschen Filmfestivals, das vom 30. Mai bis zum 3. Juni in Madrid stattfindet, ist Deutschlands Regie-Altmeister Volker Schlöndorff eigens in die spanische Hauptstadt gereist. Eine  Video-Version von Schlöndorffs Interview gibt's bei spanien.com, den deutschsprachigen Seiten des spanischen Online Netzes ya.com.

Schlöndorffs Film, der erst im Herbst in die deutschen Kinos kommt, wird auf dem Madrider Festival gleich zweimal gezeigt. Der Film lief bereits im Rahmen der Berlinale, wo die beiden Hauptdarstellerinnen Bibiana Beglau und Nadja Uhl einen silbernen Bären gewannen. Er behandelt die Problematik um die in der  früheren DDR abgetauchten RAF-Mitglieder und deren Enttarnung durch den Fund der Stasiakten nach dem Mauerfall. In Spanien ist dieses Thema vor dem Hintergrund  des ETA-Terrorismus auf besondere Art heikel... 

Mehr zum Thema bei spanien.com.


Unser DFB Team
Talent Deisler......und Routinier Matthäus. Die Mischung macht's!
Feines Quartier: Arabella Golfhotel
Fotos: DFB, msm-Archiv

 
BLAUER DUNST
Mallorca in den Medien, die Medien in Mallorca. Roland Füllenbach, BBC-Fan und Bild-Leser, vor seinem Exodus auf die Insel selbst langgedienter Dompteur im deutschen Medienzirkus, kommentiert, was auch auf den Balearen die Welt im Innersten zusammenhält: unabhängig, überparteilich - jedoch keinesfalls unbestechlich.
GOLF ODER KEULE?
- Roland Füllenbach über seine Identitätskrise beim Sportreignis ''Real Mallorca gegen DFB'-

Nein, nein und - zur Sicherheit - abermals nein: Sie sind nicht zum Golf spielen da! Auch wenn das Arabella Sheraton dafür sicherlich ein paradiesisches Gelände abgibt (warum macht sich's der Erich eigentlich immer so schwer?). Nein, unsere Jungs bereiten sich vor. Wollen kämpfen und spielen, tricksen und rackern, womöglich siegen, wollen etwas Großes erreichen. Also mindestens das Viertelfinale. Doch da sind zunächst einmal - also später in Benelux - Rumänien und Portugal vor. Gegen England wird's - zur Not - wohl 'mal wieder zum Unentschieden reichen. Jeder zwei Elfer, je einer geht rein. Also wie immer... 1:1. Ist doch ein schönes Ergebnis für einen Bruderzwist. Wir erinnern uns: '66-'70-'72-'90-'96... Mein Freund Andrew pflegte unseren unaufhaltbaren Siegeszug stets mit einem schneidigen "...'45, sprich: forrrrtyfaiffff..." zu kontern. Ich mag seinen Humor! Und außerdem war er ja damals nicht selbst mit dabei...

Jetzt also, endlich, geht's los, zunächst mal mit einem Match gegen die Eingeborenen auf unserer Insel. Na ja, viele von deren Kickern kommen ja auch schon von auswärts daher. Ist doch kein Wunder, bei diesem schönen Flughafen. Die haben sich gerade, also die eingeborenen Andalusier und Argentinier, durch geschicktes Absenden von Faxen aus der Tiefe des Raumes doch noch für den UI-Cup qualifiziert, nachdem die laut Liga-Tabelle qualifizierten Kicker aus Vallecano und Valladolid großzügig verzichtet haben. Jetzt können sich unsere Insulaner im Gute-Hoffnungs-Cup durch Siege über Top-Clubs wie Mostar, Metz oder Eisenhüttenstadt vielleicht doch noch fürs internationale Geschäft qualifizieren. Und das ist wichtig. Denn das bringt Geld. Und das ist auf Mallorca noch immer gerne gesehen. Selbst wenn es aus Deutschland kommt...

Weil bei dieser taktischen Meisterleistung dem Management zweifelsohne mehr Ehre gebührt als dem glücklosen Trainer, der die sportliche Qualifikation in den beiden letzten Partien leichtfertig verstolpern ließ, schickte man ihn kurzerhand wieder zurück nach Galizien. Verlängerte einfach nicht seinen Vertrag. Obwohl man ihm gerade das zwei Tage zuvor noch per Handschlag versprochen hatte, woraufhin der gute Mann, ein Ex-Lehrer übrigens, eilfertig seine Kinder in einer mallorquinischen Schule anmeldete. Nun ja, auch hierzulande verrohen die Sitten.

Das alles nur, um den alten Merkel-Spezi Luis Aragones zu verpflichten. Dabei kriegt der doch in jeder pretemporada - nein, liebe/r Leser/in, nicht, was Sie denken, es handelt sich hierbei nur um die Saison-Vorbereitung - also: pünktlich nach dem ersten Training bekommt der gute Mann seinen Herzinfarkt. Immer dann, wenn er zum ersten Mal sein neues Spielermaterial - doch, doch, das heißt jetzt so - unter die Lupe genommen hat. Beim Spiel gegen Deutschland hat er noch frei. Und der Galizier ist wohl schon weg. Wozu braucht ein Topteam, das im Geiste ohnehin schon längst Urlaub macht, denn auch einen Trainer...

So wird stattdessen der verdiente Spiele(r)vermittler - uuups: Namen spielen doch nun wirklich keine Rolle; nennen wir ihn also der Einfachheit halber Juan -, so wird denn stattdessen Juan mit auf der Trainerbank sitzen. Dank eines tüchtigen Anwalts hat er gerade noch ein paar Deutschmarks (oder gar Euro?) vom DFB eingesteckt, bevor die Kugel dann endlich so richtig rollt. Hatte er sonst doch stets alle Freundschaftsspiele für seinen Club verscherbelt. Und erst das tolle Trainingslager im Salzkammergut, und die Super-Reservespieler aus Argentinien, suupergut, weil suuuperteuer. Schließlich hat er doch einen Exklusivvertrag. Na, ja, diesmal ist's halt ein Auswärtsspiel, wenn auch im eigenen Stadion. Dafür ist der Eintritt halt billig, weil subventioniert. Mallorca-Deutschland, glatt für die Hälfte. Da muß man doch hin. Selbst wenn's nur ein Freundschaftsspiel ist... 

Wobei man sich da auf Seiten der Veranstalter nicht ganz so sicher zu sein scheint. Vorsichtshalber werden die Fanblöcke schon einmal fein säuberlich voneinander getrennt, mit separarten Eingängen, Eskorte und allem Drum und Dran. Wie bei Galatasaray gegen Arsenal, oder in Feyernord. Am Sonntag lesen wir dann in der Zeitung, wir müßten uns besser integrieren. Ja gerne, bloß wie? Wenn man uns selbst beim Fußball nicht läßt... Da geht's doch zur Not auch noch ohne catala. Sprechen die Real-Gauchos doch auch alle nicht...

Referee ist übrigens Carolina Doménech, Spaniens schönster Schwarzkittel, sprich: die einzige im Profifußball zugelassene Schiedsrichterin. Die - doch das nur nebenbei - eher Rot bevorzugt. Da werden die deutschen Fans dann staunen. Und der Loddar erst 'mal. Schließlich muß er schon drei Tage auf seine Maren verzichten. Und New York ist weit. Und nur der Schwiegerpapa in der Nähe. Wenn das 'mal nur gut geht, mit dem Loddar, der Carolina, der deutsch-mallorquinischen Freundschaft und - vor allem natürlich - mit dem DFB. Denn Europameister werden, das wollen wir schließlich schon wieder, gell?

Ich jedenfalls setz' mir am Dienstag abend im schicken Stadion Son Moix mein altes Real-Käppi auf, das von damals, von '98, vom tollen Cupfinale gegen Barça. Steck mir eine Cohiba an und werde dann im mallorquinischen Block Ibagazas 2:1 Siegtreffer gebührend bejubeln. Man weiß ja nie...

P.S. (31.5.): O.k., wir haben verloren! Und 0:4 ist natürlich 'ne Packung! Aber das war ja auch nur unsere zweite Mannschaft. Und der Galizier war nun wirklich nicht mehr motiviert. Und ohne die Berliner und den Brasilianer war's vor der Pause schon ziemlich grauenhaft. Hoffentlich hat's auch Sir Erich so gesehen...

Mehr zum Trainingslager auf Mallorca - inkl. Chats und spannender Medizinreports - auf den offiziellen Seiten des DFB. Mehr zum Team der Einheimischen - heißt Real Mallorca, Achtung: ist Ausland, Seiten daher (noch) auf Spanisch! - gibt's hier. Mehr  von Roland Füllenbach im Mallorca News-Archiv.


 
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