| DIOXIN
AM BALLERMANN
- Mallorcas Krisenjahr auf neuem Höhepunkt: nach Pleiten, Pech und Pannen nun ein Umweltskandal - Deutsche Fernsehreporter spürten auf Mallorca einen Sondermüllskandal auf. Zwei illegale Müllkippen, Can Ramis und Can Duran, sollen die Luft an der Playa de Palma vor S'Arenal verpesten. Dort wird in Steinbrüchen Abfall entsorgt: angeblich nur Bauschutt, in Wirklichkeit aber auch Autoreifen, Metalle, Plastik, Batterien, Kühlschränke. Noch schlimmer: Seit Jahren glimmen auf den Müllkippen Schwelbrände. Umweltexperten: Der Rauch ist ein giftiger Cocktail aus Stickstoffoxid, Schwefeldioxid, Quecksilber, Blei und Dioxin. Eine deutsche Rentnerin: "Es stinkt beißend nach Chemikalien. Der Fakt-Beitrag im Wortlaut Touristen:
Ursache: Brände in zwei Steinbrüchen, die als illegale Müllkippen mißbraucht werden. Und das ganz in der Nähe der Strände. Rückblick: 1995 und 1999 bricht im Steinbruch Can Ramis ein Feuer aus.Offiziell darf hier nur Bauschutt zum Auffüllen der Hohlräume abgeladen werden - nichtorganische Stoffe. Tatsächlich landen dort alle Arten von Sondermüll: Autoreifen, Metalle, PVC, Autobatterien, Kühlschränke, Eimer mit Farben und Lacken. Das offene Feuer auf der illegalen Müllkippe Can Ramis ist auf dem ersten Blick gelöscht. Doch im Inneren schwelt es weiter. Für die Anwohner ein Dauerproblem. Die Gase ziehen auch durch den Garten von Familie Otto. Trotz großer Sommerhitze bleiben sie viele Abende bei geschlossenem Fenster im Haus. Angelika Otto ist in großer Sorge über die Auswirkungen der gesundheitsschädlichen Gase. Angelika Otto:
Experten der Universität der Balearen warnen schon lange eindringlich vor den Risiken dieser Schwelbrände. Victor Cerdá, Professor für
analytische Chemie:
Das Gutachten eines anderen Umweltexperten bestätigt das. Die Brände verursachen einen giftigen Gascocktail aus Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Blei, Quecksilber und - Dioxin. Bauindustrie und Tourismus boomen auf Mallorca. Häuser und Hotels werden im Akkord hochgezogen oder renoviert. Der entstehende Abfall landet in Containern die jeder bestellen und mit seinem Müll füllen kann. Eine Kontrolle gibt es nicht. Jeder schmeißt hinein, was er loswerden will, und das landet in den Steinbrüchen. Im Oktober 1999 startet das Umweltamt zum ersten Mal ein Verfahren gegen die Verantwortlichen einer illegalen Mülldeponie. Nicolau Barcelo, Chef Umweltamt:
Auch der Reiseveranstalter TUI ist alarmiert über die Situation an der Playa de Palma. Dr. Wolf Michael Iwand:
Doch das stört die Betreiber der illegalen Müllkippen wenig. Das Geschäft ist einfach zu lukrativ. Jeder Container bringt dem Inhaber des Steinbruchs umgerechnet 35 Mark bar auf die Hand, ohne Quittung. Das macht bei circa 500 Containern einen geschätzten Tagesumsatz von gut 17 000 Mark. Für den Steinbruch von Can Ramis, in dem es 1995 und 1999 gebrannt hat, bekommen wir eine Drehgenehmigung. Von Sondermüll ist erst einmal wenig zu sehen, und der Pächter streitet alles ab. Miguel Ramis, Pächter
Doch der Pächter sagt nicht die Wahrheit. Das dokumentiert das Video einer Detektei, die das Treiben auf der Kippe drei Tage im Mai beobachtet hat: Gummireifen, PVC-Röhren, Metallteile und der Inhalt eines Gülletransporters werden achtlos abgekippt. Darüber wird dann in regelmäßigen Abständen Erdreich verteilt, damit der illegale Müll nicht mehr zu sehen ist. Die Vertreterin der Umweltorganisation GOB aber, spricht von einer Müllmafia und verurteilt die Tatenlosigkeit der Inselregierung. Aina Llauber:
Trotz aller Drohungen ist bis heute nichts passiert. Anwohnern wie Frau Otto bleibt nur noch ein Ausweg: Frau Otto:
500 Anzeigen sind wegen der Giftgase inzwischen bei den Behörden eingegangen, viele davon von den unmittelbaren Anwohnern der Playa de Palma - bislang ohne jeden Erfolg. Und: Die Touristen bleiben völlig ahnungslos, wissen nichts von den Giftgasen, die je nach Witterung durch die Straßen und über die Strände ziehen. Mehr zum Thema bei Fakt online, im Mallorca News-Archiv oder über AFM-Film- und TV-Produktion. |
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