ENDSTATION PALMA |
Mallorca - Traumziel vieler deutscher Urlauber und Aussteiger. Sonne, Strände, Berge und Meer - hier scheint es das wahre Paradies noch zu geben. Aber ist es wirklich vollkommen?
Als Manuel Blum, ein deutscher Journalist, auf der Fähre von Palma de Mallorca nach Barcelona in letzter Sekunde den Selbstmord eines Lebensmüden verhindert, ahnt er noch nicht, auf was für eine Geschichte er sich damit eingelassen hat.
Hans Osthoff, der Gerettete, beauftragt Manuel, nach seiner verschwundenen Tochter Cosima zu suchen, einer bald dreißigjährigen Tänzerin, die vor sechs Jahren mit einer großen Hoffnung im Gepäck nach Mallorca aufgebrochen und seitdem verschollen ist. Manuels Nachforschungen führen ihn in die Welt der deutschen Residenten, die sich im Inselparadies bestens eingerichtet haben: idyllische Fincas in traumhafter Landschaft, Feinschmecker-Restaurants, szenige Bars und Diskotheken, in denen es die ganze Nacht hindurch heiß hergeht, sorgen für ein durch und durch angenehmes Dasein. Doch im schillernden Leben der Reichen und der Schönen ist längst nicht alles Gold, was glänzt.
Bei seiner Suche nach Cosima erfährt Manuel von den wahren Machenschaften hinter den glitzernden Fassaden. Intrigen, Drogen, Mord - die Kriminalität macht auch vor dem Paradies nicht halt.
Textauszug
Als sich die Bebauung am Stadtrand von Sóller gerade etwas gelichtet hatte, wieder saftig grün und orange leuchtende Apfelsinenhaine das Sträßchen säumten, und ich den Troß der Radfahrer endlich überholt hatte, stand rechts am Straßenrand schon das Warnschild vor der von Urs erwähnten S-Kurve. Ich schwebte mit reduziertem Speed in sie hinein, und wir passierten einen Steinmetzbetrieb. Die Straße führte nun an einem Torrent entlang, dessen Ufer von wuchernden Orangenbäumen gesäumt waren. Geradeaus zeigte sich der karge Puig Major, der höchste Gipfel Mallorcas, in seiner ganzen bizarren Pracht, und halblinks klebte malerisch das Vorzeigedorf Fornalutx am Hang, das man schon mehrfach als schönstes Dorf Spaniens ausgezeichnet hatte.In Anbetracht dieser imposanten Schönheiten, die mich umgaben, und der Ereignisse, die sich in den letzten zwanzig Minuten vor und in meinem Punto abgespielt hatten, waren Cosima und mein lukrativer Auftrag etwas ins zweite Glied meiner Denkmasse zurückgedrängt worden. Das mußte sich nun schleunigst ändern, denn fast hätte ich die Auffahrt zu der kleinen Brücke verpaßt, die links über das fruchtbare Bachbett führte. Ich ging hart in die Bremsen und lenkte den Punto mit einem Ruck auf das schmale, asphaltierte Sträßchen.
Lissa spürte offensichtlich meine Anspannung, und sie fragte mitfühlend: (a)Warst du schon mal in der Villa Florida?"
Ich schüttelte den Kopf.
"Wer wohnt dort?"
"Das werden wir sehen."
Mein Adrenalinspiegel stieg von Sekunde zu Sekunde. Ich sah wieder die Angst in Hans Osthoffs Blick, ich durchlebte erneut den Moment, als ich vom Dach der Fähre sprang und Hans noch so gerade am Jackenkragen zu packen bekam...
Der Autor
Christoph Gottwald, geb. 1954, Studium der Germanistik, Philosophie und Soziologie, zunächst (a)dichtender Taxifahrer", dann erfolgreicher Roman- und Drehbuchautor. 1984 erschien sein erster Köln-Krimi Tödlicher Klüngel, gefolgt von Lebenslänglich Pizza (1988) und Marie, Marie (1994). Er verfaßte zahlreiche Drehbücher, u.a. für die Fernsehserien Der Bergdoktor, Hallo, Onkel Doc und Auf eigene Gefahr und war Co-Autor von Tom Gerhardt bei dessen Film Voll Normaaal. Christoph Gottwald lebt in Köln und auf Mallorca.
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© Christoph Gottwald, Vlg.Kiepenheuer & Witsch /
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